Zu der Sache mit der Bunten …

… gefällt mir dieses Zitat:

“Die Bunte ist zuallererst ein Gesellschaftsmagazin mit unterhaltendem
Anspruch; wer glaubt, die Öffentlichkeit nehme sie als eine Zeitschrift der
politischen Meinungsbildung wahr, irrt sich gründlich. Aber genau das ist
die Grundlage der umfangreichen Replik Riekels auf den Künast-Brief. Für
eine nachhaltige Lektion in Sachen Pressefreiheit ist es der falsche
Hörsaal, da helfen auch die vielen Aktenzeichen und Anhänge nichts.”

http://meedia.de/nc/background/meedia-blogs/georg-altrogge.html

Kommentare

  1. Aber ebenfalls gründlich irrt, wer glaubt, dass die Menschen sich ihre politische Meinung auf der Grundlage politischer Fragen. Mal abgesehen davon ist moralische Integrität etwas sehr politisches.

  2. Christian, da fehlt irgendwie ein Verb. Ich verstehe jedenfalls leider nicht so recht, was Du sagen willst.

  3. “bilden”. Fehlt da am ende des ersten absatzes. Was er meint: zugespitzt gesagt: Gewählt wird der mit der besseren Frisur. Und leider stimmt das. Spätestens seiit dem TV-Duell kennedy, Nixon bekannt. Radiohörer fanden damals Kennedy ziemlich mau und flach, Nixon intelligent, Gewinner der debatte und so. Im TV gewannn wie bekannt JFK.

  4. Ah. Ja, jetzt habe ich’s verstanden. @Christian: Das kann aber dann ja nicht heißen, dass ein People-Magazin aufgrund der mangelnden Bereitschaft vieler Menschen, sich mit inhaltlichen Fragen auseinander zu setzen, von den Machern zu einem Politikmagazin hochstilisiert wird. Die dann anfangen, Promifotografie in investigativen Journalismus umzudeuten?An welcher Stelle kommt die moralische Integrität zum Tragen? Wenn ein Mensch eine neue Freundin hat, kann man damit auf Integrität schließen?

  5. Mittagspause :-) Olaf hat mich ja aber schon verstanden.Das Ding ist: Wahlfreiheit bedeutet auch, dass ich selbst entscheiden kann, worauf ich diese Entscheidung basieren lasse. Das Verhalten im Privaten sagt häufig mehr über Menschen aus als politische Inhalte – gerade, wenn letztere zunehmend verschwimmen. Bei politischen Entscheidungen geht es um Vertrauen. Und das Vertrauen in Menschen beeinflusst die Bunte sehr wohl. Insofern ist die Bunte kein Politmagazin – sie hat aber mit ihrer Berichterstattung Einfluss auf politische Willensbildungsprozesse. Insofern finde ich diese Argumentation realitätsnah. Deshalb dürfen Medien ja überhaupt über Menschen des öffentlichen Lebens anders berichten als über Dich und mich.Die eigentliche Frage ist aber doch: Wie weit ist das Interesse am Privatleben eines Politikers gerechtfertigt und wann geht es zu weit. Die Antwort hängt m.E. von folgenden Punkte ab:1. Wie weit nutzt der Politiker selbst sein Privatleben für seine politische Karriere. Wer also Journalisten zur Hochzeit einlädt, muss sich nicht wundern, wenn sie zur Scheidung wieder da sind.2. Inwieweit ent- oder widerspricht das Privatleben der öffentlich vertretenen Position. Wenn ich also fordere, dass Männer ihren Frauen Karriere ermöglichen, es aber selbst nicht praktiziere, dann ist das Thema von öffentlichem Interesse.Diese Frage gilt aber für die Bunte genauso wie für Spiegel oder Focus. Ich nehme an, dass wir uns da einig sind.Ach so: Wegen Freundin und Integrität – nein. Wobei man ja auch mal fragen muss, wie viele Recherchen gegen “Unschuldige” durchgeführt werden. Denn dass jemand “nichts schlimmes” macht, kann ja auch Ergebnis einer solchen Recherche sein.

  6. @amendedstages Christian, der Satz ist schwierig: “Das Verhalten im Privaten sagt häufig mehr über Menschen aus als politische Inhalte – gerade, wenn letztere zunehmend verschwimmen.” Sagt denn aber das Verhalten im Privaten auch wirklich etwas darüber aus, wie sich ein Politiker in der Politik verhalten wird? Das glaube ich nämlich kaum.Die These, dass man wissen muss, “was für ein Mensch ein Politiker eigentlich ist”, bevor man ihn wählen kann, und das Gerede davon, dass man einen Politiker nur wählt, mit dem man auch ein Bier trinken würde, halte ich für einen Ausdruck der Banalisierung von Politik und für absolut schädlich. Wenn Du mich fragst: ein Politiker kann meinetwegen privat der letzte Idiot sein, das geht mich alles nichts an. Entscheidend ist, ob er/sie gute politische Entscheidungen trifft. Daran – und daran allein! – muss er/sie sich messen lassen. Und nicht an Bunte-Fotos. Das ist – mit Verlaub – Gewäsch, meiner ganz persönlichen Ansicht nach.Zu Deinen beiden Punkten:1. Absolut. Wer als Politiker öffentlichkeitsgeil ist und sein Privatleben zur Schau stellt, der macht sich zur öffentlichen Person. Ich bin aber im Zweifel, ob das bei den von der Bunte bespitzelten Leuten so war.2. Nein, das sehe ich anders. Wenn beispielsweise ein männlicher Politiker im Privatleben – aus welchen Gründen auch immer – die Entscheidung trifft, dass die Frau zuhause bleibt und er selbst Politikkarriere macht, dann geht das die Öffentlichkeit überhaupt nichts an, nicht mal dann, wenn dieser Politiker öffentlich Karrieren für Frauen fordert. Und zwar deshalb, weil zu der Entscheidung zwei dazugehören. Was ist, wenn die Frau das wirklich so will? Und (auch wenn ich das persönlich befremdlich finde, aber darum geht’s hier nicht) sich in der Rolle als Mutter gefällt. Das ist eine private Entscheidung, vollkommen unabhängig davon, was der Mensch öffentlich als für die Gesellschaft richtig hält und politisch erstrebt.

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