Willkommen in Deutschland.

Grade bin ich am Berliner Hauptbahnhof unterwegs gewesen. Da sah ich zwei Polizisten, die mit einem Mal, ganz plötzlich, wie Adler auf einen jungen Mann zuschossen. Ich habe die Szene aus einigen Metern Entfernung gesehen, konnte zunächst nur erkennen, dass der Mann völlig überrascht war, nicht verstand, was sie von ihm wollten. Als ich näher kam, hörte ich, wie die Polizisten auf englisch umgeschaltet hatten, intensiv auf ihn einsprachen. Zwei deutsche Polizisten, große Kerle, die mit hartem Akzent auf einen Mann einreden, der mindestens einen Kopf kleiner ist … das kann schon einschüchtern. “Zeigen Sie mir ihren Pass!”, blaffte der einen von beiden.

“Ach so, Sie sind aus Korea?! Es gibt so viele Thailänder, die illegal nach Deutschland einwandern. Daher kontrollieren wir hier. Nichts für ungut und noch einen schönen Tag.” So endete die kleine Begegnung.

Man kann es das “Bemühen um Sicherheit” nennen. Ich nenne es Diskriminierung. Nur weil jemand “asiatisch” aussieht, ist er oder sie potenziell eine Bedrohung. Ganz gleich wievielen Touristen, Wissenschaftlern, Studenten, Geschäftsleuten man damit ein wahrlich unfreundliches Gesicht von Deutschland zeigt.

Kommentare

  1. Habe so etwas ähnliches auch schon am Dresdner Hauptbahnhof erlebt – sitze hinter einem Fahrkartenhäuschen und neben mir packt einer seinen Gebetsteppich aus, zieht die Schuhe aus und betet. Plötzlich kommen mehrere Polizisten angeschossen und bitten ihn “damit” aufzuhören und ihnen den Pass auszuhändigen. Scheinbar wurde er dann doch nicht als “Terrorist” entlarvt aber die Polizisten wollten sich ja nicht die Blöße geben, dass sie jetzt nicht die Helden des Dresdner Hauptbahnhofs sind, die gerade einen Terroranschlag mit dem gefährlichen Sprengteppich vereitelt haben – also haben sie ihn dennoch aus dem Bahnhof gebeten und gesagt er solle sowas in Deutschland an öffentlichen Plätzen unterlassen weil “die Leute” Angst haben. Tja, da fehlen einem die Worte und der nötige Journalist, der das vor Ort erlebt hat.

  2. Hallo Martin,dieses war sicher eine unschöne Begegnung. Es gibt Menschen, die kein Benehmen haben!? Leider sind das auch manchmal Polizisten. Sind deshalb alle Deutschen so? Wenn ich in die USA einreise, “muß” ich einen “Fingerabdruck” meiner Identität abgeben. Das geschieht zwar “freundlich” – weil gerade einem freundlichen Beamten begegnet bin. Was ist dein Ziel mit diesem Blogeintrag? Wäre es möglich gewesen die Beamten auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen, anstatt hier so zu tun, als ob alle so wären? A bientot,Bernhard

  3. Schade dass nicht jedes Jahr WM in Deutschland ist.

  4. Ist ja nichts einzuwänden gegen eine Passkontrolle, dazu sind sie nun mal berechtigt. Aber drauf loszustürmen und den grundlos anzuschreiben – geht denn nicht auch: “Guten Tag, kann ich (netterweise) einmal Ihre Papiere sehen?”.

  5. puh,mein lieber martin, da rasseln wir mal wieder aneinander. ;) denn aus der sicht eines nebenstehenden und völlig Unbeteiligten lässt sich das ganz bequem sagen. Aber wenn die Ansage lautet “Achtung, viele Thailänder illegal nach Deutschland eingewandert”, dann ist es jawohl das normalste der Welt, den Kreis der Personen erstmal nach dem Aussehen einzugrenzen.Oder willst Du auch Westeuropäer ansprechen und nach dem Ausweis fragen, um dann zu sagen “Oh, sie sind ja gar kein THailänder, schönen Tag!”??Das ist pragmatisch. Wenn ich einen Verbrecher suche, kann die Herkunft (ja und sogar das Wort “Schwarzafrikaner!) ein entscheidendes Merkmal sein. Das “Willkommen in Deutschland” solltest Du Dir als Mann von Welt erst recht schenken – das passiert Dir unter solchen Umständen in JEDEM Land, sogar in Thailand. Da heisst es dann: “Achtung, Norweger zu Tausenden eingewandert!” Glaubst Du, die kontrollieren dann asiatisch aussehende Menschen? ODer Schwarzafrikaner? Nein, aber sie halten Dich als Deutschen fest, weil Du ein Norweger sein könntest. Es leben die Unterschiede, sie helfen uns, uns zu orientieren!Ich finde es gut, dass Du die Situation kritisch beobachtet hast, kann ja gut sein, dass die Ordnungshüter auch mal über die Stränge schlagen. Aber ansonsten ist mir das mal wieder zu sehr an den Haaren herbeigezogene Political Correctness. Freu mich auf Mittwoch, blackjack!i

  6. @Bernhard Ich weiß nicht, wo ich behaupte, alle in Deutschland seien so. Ich habe hier nur ein einzelnes Erlebnis beschrieben und persönlich kommentiert. Wichtig war mir daran, dass das alleinige Herausgreifen von Menschen aufgrund ihres Aussehens immer eine Diskriminierung ist. Das habe ich hier dargestellt. Nicht mehr, nicht weniger.

  7. @kingo Es ist eine leider mittlerweile recht weit verbreitete Unsitte, diejenigen Meinungen, die man selbst nicht teilt, als “political correctness” abzustempeln. Das ist undifferenziert und macht vernünftige Auseinandersetzung unmöglich, weil die andere Seite dadurch in die Ecke der (auch so ein Wort:) “Gutmenschen” geschoben wird. Mit denen braucht man sich ja nicht auseinander zu setzen, weil sie die Welt und ihre bösen Seiten einfach nicht verstehen wollen. Was natürlich Unsinn ist. Sich immer wieder die Prinzipien einer funktionierenden Demokratie in Erinnerung zu rufen und diese täglich kritisch neu auszuhandeln, sich immer wieder gegenseitig an sie zu erinnern – das ist absolute Pflicht in einer so labilen Staatsform wie der, die wir haben. Das ändert aber absolut ganz und gar nichts daran, dass ich mich ebenfalls sehr auf Mittwoch freue! :)

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