Warum kann kein einziger von denen sagen “Tut uns leid, wir haben Mist erzählt!”?

Die ZEIT stellt Zitate von Unionspolitikern vor und nach der japanischen Atomkatastrophe gegenüber. “Kreide gefressen” ist gar kein Ausdruck.

Die Frage, die ich mir stelle: warum hat kein einziger von denen den Arsch in der Hose zu sagen: “Wisst Ihr was? Mit dem Ausstieg aus dem Atomausstieg haben wir Mist gebaut. Das war eine Scheißidee. Das hätten wir nicht machen sollen. Heute wissen wir’s besser. Wir in der Union werden in uns gehen. Das tut uns sehr leid.”

Wie glaubwürdig wäre das! Und wie akzeptabel, letzten Endes! Man würde es ihnen abnehmen und sagen “Na immerhin. Wenigstens ehrlich.”

Aber das kapieren die nicht. Das hat auch der Guttenberg nicht kapiert. Stattdessen wird dieses unerträgliche Taktieren betrieben. Ich glaube, wenn die ersten Politiker, die mit dem Social Web aufgewachsen sind, an einflussreicher Position sind, wird es davon weniger geben. Wer sich mit Blogs und Twitter und dem ganzen Kram auseinandersetzt, der weiß doch, dass es nur mit Transparenz und dem Eingestehen von Fehlern geht. Sonst wird man einfach komplett auseinander genommen. So wie das jetzt den Unionspolitiker passiert. Sie wollen mit unglaublicher Verkrampftheit irgendwas retten. Dabei machen sie es nur noch schlimmer.

Mein Vater war in der Politik, auch eine Weile im Bundestag, und er war zu Anfang zunächst für die Atomenergie. Aber irgendwann in den 80er Jahren hat er seine Meinung geändert. Das hat er mir auch erläutert. Ich war ein Junge und ich fand das nachvollziehbar. Wenn man anerkennt, dass man eine Position vertreten hatte, die man später, bei besserem Wissen, für falsch hält, dann zeigt es, dass man seinen Verstand einsetzt und nachzudenken bereit ist. Das ist nicht schlecht, das ist gut.

Aber trotzdem traut sich das kaum einer von denen zu. Ich frage mich warum.

Kommentare

  1. Hatte im Zuge der aktuellen Diskussion ganz ähnliche Gedanken und bevor ich den vierten Absatz gelesen habe, musste ich an die Analogie zur Guttenberg-Krisen-PR denken. :) Ich weiß es nicht sicher, aber ich befürchte, der Guttenberg hatte es GANZ GENAU kapiert. (Analog dazu die Atom-Geschichte.) Er wusste, dass die Elite Deutschlands sich innerhalb von fünf Minuten über das Guttenplag-Wiki ein Bild von der Lage machen konnte.Er wusste aber auch, dass die deutliche Mehrheit der Deutschen nicht twittert, Blogs liest, politische Zusammenhänge googlet, teilweise nicht mal die Tagesschau sieht. Und so ist er mit seiner verlogenen Salami-Taktik, auch dank den Freunden im Hause Springer, verhältnismäßig gut durch die Affaire gekommen und ein nicht zu vernachlässigender Teil der Deutschen denkt heute immer noch, die Affaire würde sich um ein paar Fußnoten und Erbsenzählerei der neidischen Opposition drehen. Innerhalb und außerhalb der Partei ist KTzG kein peinlicher Schandfleck auf der grau-weißen Weste der Union, sondern ein Märtyrer, der in 1-2 Jahren als Messias zurück kommen wird. Kurzum – PR-Stunt gelungen.Deine Hoffnung auf eine bessere Politik der Zukunft teile ich auch, der Mobilisierungs-These steht aber immer noch die Reinforcement-These gegenüber. Warten wir ab. Der rege Diskurs in meinem Freundeskreis auf Facebook zu beiden Themen, auch mit politisch bislang wenig interessierten Freunden, lässt hoffen!Ganz unabhängig davon: Salami-Taktik und fehlende Aufrichtigkeit sind wohl auch mit dem Stolz verbunden, der den hohen politischen Ämtern innezuwohnen scheint.Just my 2ct…

  2. @Falk Hätte Guttenberg zu früher Stunde gesagt “Das ist ein schlimmes Machwerk. Ich habe Fehler gemacht, ich habe abgeschrieben, das tut man nicht. Ich kann den Titel nicht mehr tragen und ich werde meinen Ministerposten aufgeben”, dann säße er heute noch im Bundestag und könnte in wenigen Wochen mit großer Glaubwürdigkeit wieder angreifen. Stattdessen dieses unsägliche Schauspiel.Mir ist ganz recht, dass es anders kam. Ich glaube, dass Guttenberg mit seiner Mischung aus Inkompetenz, Selbstüberschätzung und Beliebtheit eine wirkliche Gefahr für unser Land ist. Aber er selbst hätte seinen Vollausstieg verhindern können.

  3. Meinst du echt, er hätte die Affaire so überlebt? Es wurde oft darauf hingewiesen, dass schon Minister für weniger geflogen sind. Und man darf nicht vergessen, dass das “scheibchenweise” Zugeben von Informationen einer solchen Affaire natürlich auch ein wenig das Momentum des ersten Schocks nimmt.Was seine Gegner angeht, da geb ich dir absolut Recht. Mich hat an seinem Verhalten auch am meisten gestört, dass er in keiner seiner Presse-Erklärungen oder Verteidigungsreden in der aktuellen Stunde im Bundestag Klartext geredet hat. Wie sich aber ein anderes (wünschenswerteres) Vorgehen auf das Verhalten der Presse und der (nennen wir sie mal) Fanboys ausgewirkt hätte, da bin ich mir nicht sicher. Leider.

  4. Nur das eine Zitat wird berichtet, und wer liest schon die Zeit.Alles was gerade passiert ist sowieso nur politische Wahl Panik.

  5. naja, mit dem Eingestehen von Fehler gewinnt man keine Wähler von der Gegenseite. Die werden nur bestätigt. Und die Stammwähler wollen vielleicht stärke und so ein zeug sehen, zumindest könnte es eine Annahme in den Parteien sein. Aus wahltaktischer Perspektive müsste das mal analysiert werden.Dauerhaft hätte es aber sicher einen positiven Effekt. Man nimmt dem Gegner auch die Argumente wenn man Einsichtig ist UND dann vor allem in Zukunft auch geläutert handelt.

  6. Guttenberg muss einfach entscheiden was besser ist: Jetzt tiefer fallen und evtl irgendwann als “Messias” zurückkehren, oder nicht ganz so tief fallen aber dann auch nicht der ´Retter zu sein, der in schweren Zeiten böse abgeflext wurde.Mir hätte ein frühes offensives Eingestehen von Guttenberg auch besser gefallen, aber seiner Partei scheint es so besser zu gefallen. Und den Rückhalt der Partei braucht er für das Comeback.Er muss sich jetzt im Hintergrund gut positionieren und den richtigen Zeitpunkt abwarten.Aber vielleicht ist er auch kein so kalter Politiker wie es jetzt in meinen Sätzen durchgeklungen ist.

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