Warum ich von “Agents of S.H.I.E.L.D.” enttäuscht bin.

Seit Firefly bin ich Joss Whedon-Fan. Ich habe mich in die Serie verliebt wie in kaum eine andere Fernsehserie nach Captain Future (der ich als Teenager komplett verfallen war). Nach und nach habe ich dann Whedon selbst und seinen phantastischen Humor entdeckt, der grade auch in seinen Interviews bestens so beobachten ist. Ein so detailverliebt-cooler Nerd ist eine Glückssache für die Unterhaltungsindustrie, und deswegen habe ich mich sehr gefreut, als sein Avengers-Film so große Erfolge gefeiert hat — auch wenn ich den Films selbst nicht ganz so großartig fand, wie manche Reviews nahelegen.

Die Nachricht, dass es nun eine Fernsehserie dazu geben würde, ebenfalls von Whedon verantwortet, fand ich daher besonders großartig. Aber nach den ersten drei Folgen bin ich enttäuscht. Hier die Gründe:

Miserable Dialoge

Joss Whedon ist der Meister schlagfertiger, witziger dabei aber glaubwürdiger Dialoge, die dazu noch mit gekonnten Referenzen und Anspielungen auf Popkulturkonventionen gespickt sind. Umso entäuschender ist es, dass die Charaktere in “SHIELD” mit hölzernen Texten daherkommen, die man ihnen nicht abnimmt, und die das Gegenteil von cool sind. Ich dachte, Whedon sei ein cooler Nerd. Hier ist er mit seinen Dialogen uncool und bemüht. (Nota bene: ich sehe die Folgen auf Englisch.)

Kaugummifarben

Die Farbgestaltung und Art Direktion der Serie ist unterirdisch. Was eigentlich extrem cool aussehen sollte, ist bonbonfarben eingefärbt, sieht nach Kinderserie aus und ist damit in keinster Weise geeignet, “Suspension of Disbelief” zu ermöglichen. Dass der ausstrahlende Sender ABC zu Disney gehört, scheint sich hier besonders stark zu manifestieren. Firefly hatte eine bemerkenswerte Optik, war seiner Zeit voraus. Warum jetzt dieser unterirdische Look?

Steife Charaktere

Die beiden genannten Probleme machen eine Identifikation mit den Charakteren so gut wie unmöglich. Wenn alberne Phrasen dreschende Menschen durch kaugummibunte Szenarios laufen, dann kann ich mich nur sehr schlecht für sie und ihre Konflikte interessieren. Und Whedon tut nichts, um mir die Sache zu erleichtern: auf eine seltsame Art ironieversessen scheint er Charaktere in den Vordergrund zu stellen, die platten Stereotypen entsprechen (oder sich über diese lustig machen sollen?), und die dabei alles andere als interessant sind.

Und auch die Geschichten selbst …

… sind nicht wirklich überzeugend. Es gab bisher keine Episode, bei der ich wirklich mitgefiebert oder an den Plot geglaubt hätte.

Insgesamt habe ich den Eindruck, als ob Whedon hier einen zweiten Versuch mit Firefly unternimmt. Eine zusammengewürfelte Truppe muss sich in einem Fluggerät, das als eigener Charakter der Show aufgebaut wird, zusammenraufen und dabei gefährliche Missionen überstehen. Die traurige Nachricht ist, dass Whedons Kopie seiner eigenen Arbeit ungleich viel schlechter gemacht ist als das Original.

Wollen wir hoffen, dass Whedon die Serie verbessert und sein Können noch ausspielen kann. Bisher tut er’s nicht.

Noch keine Kommentare.

Add Comment