Warum ich am Sonntag für die SPD und Peer Steinbrück stimme.

Es ist immer so unfassbar viel schwieriger, politisch progressiv, fortschrittlich, oder kurz gesagt: links, zu wählen. Es ist mit Kampf und Frustration verbunden. Es schmerzt und hinkt und ist letztlich nie so, wie man es sich vorher wünscht. Warum ist das so?

Die Merkelraute illustriert die Sache auf eindringliche Weise: konservative Politik bedeutet letztlich nichts anderes, als möglichst gekonnt die Hände in den Schoß zu legen. conservare, lateinisch, bedeutet: “aufbewahren, bewahren, erhalten, retten, retten vor”. Mit anderen Worten: wer konservativ denkt und handelt, will den Bestand wahren. Nichts sonst. Es gibt keinen Plan für Besserung. Keine Richtung.

Und das macht die Sache so viel einfacher, aus politischer Sicht. Auf “alles bleibt wie es ist, wir wollen keine großen Änderungen” kann man sich wunderbar leicht einigen, wenn man ängstlich, wohlhabend, oder beides ist. Es braucht dann keinen Streit, keine Debatten. Die Regierung schaukelt auf dem Meer der Politik gemütlich vor sich hin, der einzige Job besteht darin, darauf zu achten, dass nicht zu viel Wasser ins Boot schwappt. Wenn wir eine Sache von Frau Merkel wissen, dann doch die, dass sie eigentlich keinem politischen Programm folgt. Sie hat keine Pläne, keine Ideen, keine Richtung, in die sie Deutschland führen möchte. Sie verwaltet den Stillstand.

Wir sind anders. Wir glauben nicht daran, dass Stillstand die beste Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit sind. Stillstand erscheint grade heute absolut aberwitzig! Die Welt verändert sich in rasender Geschwindigkeit, da können wir keine Regierung akzeptieren, die in aller Ruhe abwartet. Die Nussschale wird kentern, wenn wir nichts tun! Das kann so nicht gut gehen.

Und genau daher rührt der Schmerz. Denn wenn man Änderung, Verbesserung, Fortschritt will, beginnt sofort der Streit. Darum, welche Richtung die richtige ist. Was getan werden muss, damit es künftig mehr Leuten in diesem Land besser geht. Was heißt denn besser? Und für wen? Politik, die verändern und gestalten will, ist immer Politik des Streits und der Auseinandersetzung. Die Medien berichten gern darüber, dass hierzulande und auch anderso “die Linke gespalten” sei. Als wäre das verwunderlich. Linke Politik ist immer gespalten! Liegt immer im Kampf mit sich darüber, was der beste Weg ist! Das ist ungeheuer anstrengend. Und es zehrt aus. Aber es ist der einzige Weg, Veränderung umzusetzen!

Das haben wir in der Geschichte der Bundesrepublik immer wieder gesehen. Nach Jahrzehnten konservativer, unbeweglicher, starrer, ideenloser, Politik – Adenauer, Kohl – kam jedes Mal die SPD und hat verändert. Im Streit, im Kampf, mit sich und anderen. Aber sie hat immer wieder dafür gesorgt, dass unser Land zukunftsfest ist und bleibt. Denn die anderen tun’s ja einfach nicht. Sie legen nur die Hände in den Schoß und warten ab.

Mit den Ergebnissen kann nicht jeder glücklich werden. Deswegen zerfetzt es die Linke nach einiger Regierungszeit auch leicht wieder. Weil der Streit zu stark wird, weil die Uneinigkeit über die gefunden Lösungen anhält und schwierige Konflikte schafft. Im eigenen Lager. Aber auch das ist normal. Und letztlich die Tragik jeder modernen Politik – sie kann sich nicht rühmen, verlässlich und ruhig zu sein, da sie ja Änderung durchsetzen muss. Und damit ist sie unruhig und anstrengend.

Wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem Veränderung dringend nötig ist. Und darum gebe ich am kommenden Sonntag meine beiden Stimmen der SPD. Nicht weil ich denke, dass Peer Steinbrück alles genau so machen wird, wie ich das will — natürlich nicht, siehe oben. Aber weil ich fest daran glaube, dass mit ihm die Wahrscheinlichkeit einer Veränderung in die richtige Richtung unfassbar viel größer ist, als mit der aussitzenden Kanzlerin, die wir grade haben.

Eine linke Regierung ist nicht bequem, sie wird mich nicht glücklich machen, ich werde mit ihr hadern und kämpfen.

Aber sie ist der einzige Weg.

 

Kommentare

  1. Das Dumme ist doch aber, das es mit der SPD keine linke Regierung geben wird.
    Entweder rechts-konservativ zusammen mit Mutti, oder mitte-konservativ mit den Grünen. Alles andere wurde ja im Vorfeld schon ausgeschlossen.
    Deswegen Piraten und Linkspartei. Damit geh ich auch gleich der Problematik aus dem Weg, irgendeine Regierung mit meiner Stimme mitzuverantworten. ;)

  2. @Hannes Der Streit darüber, was linke Politik ist, gehört sicher auch dazu …

  3. :)

Add Comment