So fühlt es sich an, wenn der Staat in Deine persönliche Freiheit eingreift.

Gestern Abend war ich mal wieder im Auto von München nach Mailand unterwegs. Ich fahre immer am Bodensee entlang und dann über die Schweiz, weil es über diese Route nicht nur schneller geht, sondern auch weil die Strecke durch die Schweizer Berge und über den San Bernardino deutlich abwechslungsreicher und schöner ist. Bei Chiasso ging es dann wieder über die schweizer-italienische Grenze nach Italien. Ob man durchgewunken wird oder nicht, ist bei den Schweizern komplett der Willkür der Beamten überlassen — wie an allen Grenzen, die geschlossen sind und die die Trennung zwischen den Menschen verstärken. Anstatt Grenzen zu öffnen, um Menschen einander zu nähern.

Dieses Mal war ich dran. Nachdem der Herr mich gefragt hatte, ob ich mehr als 10.000 EUR in Bargeld dabei habe — was ich guten Gewissens und ehrlich verneinen konnte … — wurde ich dennoch gebeten, rechts raus zu fahren. Dort wurde ich dann zunächst nochmal um die “documenti” gebeten und musste dann aussteigen. Nachdem sich die Herren Grenzbeamten zunächst kurz und eher oberflächlich für meinen Kofferraum interessiert hatten, gingen sie anschließend daran, im Fußraum vor den Vordersitzen sowohl beim Fahrer als auch beim Beifahrer nicht nur die Fußmatten heraus zu nehmen, sondern auch unter den Fußmatten den Fußboden des Autos abzuheben und mit Taschenlampen bis auf’s Blech das Auto zu untersuchen. Auch mein Handschuhfach wurde komplett auseinander genommen.

Ich stand neben dem Auto und kam mir hilflos und verletzt vor. Das eigene Auto funktioniert für viele Menschen wie eine Art Verlängerung des privaten Bereichs der eigenen Wohnung. Es ist ein Ort, den man selbst kontrolliert und in dem man sich zuhause fühlt. Mir geht es wohl nicht anders. Wenn nun plötzlich Staatsbeamte willkürlich diesen Raum einnehmen und durchsuchen können, wird ganz eindeutig eine persönliche Freiheit verletzt. Ich habe nichts zu verbergen, ich hatte nichts zu verbergen, und doch habe ich mich verletzt und angegriffen gefühlt.

Demgegenüber ist das Perfide an den unendlichen Eingriffen in unsere persönliche Freiheit im Internet, dass wir diese nicht bemerken — jedenfalls nicht so, wie jemanden, der unseren Kleiderschrank oder unser Handschuhfach durchwühlt. Und ich glaube auch, dass das der Grund dafür ist, dass sich so wenig Widerstand in der Bevölkerung regt. Es tut schlicht nicht weh, wenn die Schnüffelnasen in unsere privaten digitalen Räume eindringen und sich an unseren privaten Dingen zuschaffen machen. Es ist eine theoretische Idee. Das wirklich physische Erleben des Eindringens in unseren privaten Raum bleibt aus.

Und das macht die Spionage im Netz so viel gefährlicher: sie fühlt sich nicht an. Man kann sie nicht fühlen. Sie entzieht sich unserer vollständigen menschlichen Reaktion.

Noch keine Kommentare.

Add Comment