Selbstversuch mit echter Elektromobilität: Flinkster.

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Mich interessiert das Thema Elektromobilität sehr. Ich halte es für einen wichtigen Ansatz, um uns von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wegzubewegen. Natürlich hat es nur Sinn, wenn man Elektromobilität zusammen mit regenerativen Energien denkt. Es ist demgegenüber völlig blödsinnig, heutzutage Elektromobile danach zu beurteilen, wieviel CO2 bei ihrer Verwendung jetzt entsteht, weil man womöglich noch Kohlekraft für’s “Tanken” verwendet. Bei Spiegel Online gibt es derzeit eine Artikelreihe, in der bei den Autos teilweise kritisiert wird, dass sie ja gar nicht viel umweltfreundlicher seien als handelsübliche Diesel. Das ist viel zu kurz gedacht — je weiter wir in Deutschland die Energieversorgung umstellen, desto umweltfreundlicher werden die Elektroautos. Die Benzin oder Diesel verbrennenden Fahrzeuge nicht, sie machen alles immer weiter immer schlimmer. Deswegen setze ich ja jetzt auch schon bei Fernreisen fast ausschließlich auf die Bahn, selbst wenn die noch keinen “CO2-freien” Strom bezieht. Wir müssen Infrastrukturen unterstützen, die perspektivisch CO2-arm oder CO2-frei benutzt werden können. Selbst wenn es heute noch nicht ganz so weit ist, wird das mit elektrisch betriebenen Autos und Fahrzeugen mittelfristig möglich sein. Mit Benzinern oder Dieselfahrzeugen nie.

Nachdem ich im letzten Jahr ein Weile davon geträumt habe, mir irgendwie einen Tesla Roadster zu leisten, ist die Sache schließlich an zwei Dingen gescheitert: meinem dann doch wiederkehrenden Realitätssinn (ein 100.000 EUR-Auto ist einfach komplett jenseits aller meiner Möglichkeiten … Traum hin oder her …), und an der fehlenden Garage. Davon redet kaum jemand im Zusammenhang mit Elektroautos — aber für die meisten Städter ist der Besitz von Elektroautos einfach deswegen komplett unrealistisch, weil man eine Garage haben muss, in der das Ding permanent an der Steckdose hängt. Man kann’s nicht einfach unter’m Baum parken, sondern es muss angeschlossen werden. Aber wieviele Leute in dicht bebauten Wohngegenden haben Garagen? Ich habe mich ein halbes Jahr lang darum bemüht, eine zu bekommen — es war mitten in Kreuzberg nicht zu machen. Die geringe Reichweite ist nicht das Problem — für 100% aller Stadtfahrten reichen so gut wie alle Elektroautos komplett aus und sind damit als Stadtfahrzeuge perfekt geeignet. Das eigentliche Problem der Elektromobilität ist, dass wir die Dinger zuhause in den Städten einfach nicht getankt bekommen!

Deswegen wurde ich neugierig, als ich sah, dass ich beim Car-Sharing-Dienst Flinkster von der Bahn auch Elektroautos bekommen kann. Car-Sharing erscheint mir für Stadtbewohner aus den oben genannten Gründen derzeit als einzige Möglichkeit, überhaupt Elektroautos live und alltäglich zu nutzen. Sie stehen an zentralen Ladestationen und man nimmt sie sich nur dann, wenn man sie braucht. Und ich brauche mein Auto nur alle zwei-drei Wochen. Ich war kein Mitglied bei Flinkster, habe mich also angemeldet. Und am vergangenen Sonntag habe ich dann meine erste eFlinkster-Elektrofahrt unternommen.

Um 16:00 Uhr wollte ich jemanden in Tegel am Flughafen abholen. Ich hatte dafür einen Citroen C-ZERO von 15:00 Uhr bis 17:00 reserviert, der am Hauptbahnhof für mich bereit stand. Dort bin ich, selbstverständlich, elektrisch mit der S-Bahn hingefahren. Die Parkgarage, in der der Wagen stand, habe ich schnell gefunden — ich hatte dort früher schon mal einen Mietwagen abgeholt. Den C-ZERO fand ich ebenfalls schnell, er versteckte sich ein wenig hinter einem Prius Plug-In, der auch an der Steckdose hing, daneben stand noch ein Elektro-Smart (alle drei ausleihbar über Flinkster). Das Öffnen des Autos ging leicht, ich musste meine Flinkster-Karte, die ich im Portemonnaie trug, nur vor ein Feld an der Frontscheibe halten (drittes Bild oben in der Bildergallerie), schon öffnete sich die Zentralverriegelung.

Zunächst habe ich dann das Stromkabel abgezogen und im Kofferraum verstaut. Danach hinter’s Steuer. Drinnen war es etwas dunkel, das hat Auto keine automatische Innenraumbeleuchtung. (Etwas später habe ich dann eine Lampe mitten unter dem Dachhimmel zwischen den Vordersitzen entdeckt.) Schlüssel rein, drehen, die “Zündung” ging an, der Tacho und die anderen Anzeigen leuchteten auf. Mit einem “Ping!” teilte mir das Auto mit, dass der Motor nun auch an ist. (Anders kann man’s ja nicht wissen — im Stillstand steht auch der Motor, er dreht sich nur, wenn auch gefahren werden soll.)

Allerdings war es zunächst so dunkel im Auto, dass ich nicht richtig erkennen konnte, in welche Position ich den Ganghebel schieben musste, um auch wirklich loszufahren. Mit ein wenig Mühe habe ich dann die Stufe “D” gefunden — los ging’s. Das Erlebnis, dass sich das Gefährt völlig lautlos und ohne gewohntes Motorengeräusch in Bewegung setzt, ist immer wieder überraschend spaßig. Man hat das Gefühl, dem Rest der Welt eine Art Streich zu spielen, wenn man ganz ohne Getöse losfahren kann. Bei mir zieht sich dabei ganz spontan ein Grinsen über’s Gesicht, es macht mir einfach Spaß. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass ich das erlebt habe.

An der Ausfahrt des Parkhauses gab es kurz Verwirrung, ich hatte die “Stromtank- und Ausfahrkarte” noch nicht entdeckt, die mir hier gefehlt hat, um die Schranke zu öffnen. Sie steckte in einer Halterung tief unten in der Mittelkonsole. Als ich es schließlich aus dem Parkhaus heraus geschafft hatte, ging es direkt in den Verkehr. Das Fahrgefühl ist völlig normal – man fährt mit einem ziemlich spritzigen Wägelchen durch die Gegend, das nicht nur problemlos im Verkehr mitschwimmt, sondern eher zu den schnelleren Gefährten gehört. Man ist sehr schnell mit 65-70 km/h in der Stadt unterwegs. Nicht, weil das Auto so enorme Leistung und eine hohe Spitzengeschwindigkeit hat — sondern weil die Leistungscharakteristik des Elektromotors einfach völlig anders ist als die eines Verbrennungsmotors. Letzterer braucht eine Weile, bis er sein Drehmoment (also seine “Schwungkraft”) aufgebaut hat und richtig loszieht. Ein Elektroauto nicht — der Motor ist sofort voll da, es geht von der ersten Sekunde an richtig gut los. Da ist man an der Ampel schnell als erster weg.

Man fährt zum Teil sogar richtig sportlich. Teilweise ist das Drehmoment so stark, dass die etwas kleinen Rädchen (wenn auch auf Alufelgen!) fast ein bißchen zu kämpfen haben und durchzudrehen scheinen. An so einer Fahrt ist also absolut nichts phlegmatisch oder träge!

Weitere Details: ein automatischer Sensor schaltet das Fahrtlicht an (wenn der Lichtschalter auf der entsprechenden Stellung steht), und im Auto gibt es keine Uhr! Eigentlich kein Beinbruch, aber wenn man gewohnt ist, im Armaturenbrett eine zu haben, ist das für den ersten Moment ungewohnt. Außerdem habe ich noch in der Garage gemerkt, dass das Auto sehr wendig ist, bzw. dass es einen sehr kleinen Wendekreis hat.

Das Erlebnis Elektromobil war also eigentlich komplett problemlos und hat echt Spaß gemacht. Nicht ganz so unproblematisch war das Erlebnis Car-Sharing: ich hatte das Auto von 15-17 Uhr reserviert. Als ich in Tegel ankam, erfuhr ich, dass der Flug, auf den ich wartete, und der für 16:10 erwartet wurde, erst mit einer guten halben Stunde Verspätung ankommen sollte! Plötzlich wurde der Zeitplan knapp: wenn der Flieger erst um 16:45 Uhr ankommt, ist es völlig unmöglich, das Auto um 17 Uhr wieder am Bahnhof abzuliefern. Also habe ich über die 0800er Nummer, die mir in der Reservierungsbestätigung mitgeteilt wurde, die Rückgabe zu verlängern versucht. Eine halbe Stunde war drin. Die hat zwar ausgereicht, meinen Fahrtgast am Flughafen abzuholen. Aber danach wurde es so knapp, dass wir dann doch nur bis zum Hauptbahnhof zurückfahren konnten und das Gefährt direkt dem nächsten Fahrer übergeben mussten. Ein Glück, dass ich dei Batterie nicht leergefahren hatte. Die ca. 30 km, die ich gefahren war, hatten etwa ein gutes Drittel aus der Batterie geholt. Gekostet hat mich der Zweieinhalbstundenspaß rund 15 EUR.

Einen Teil der Fahrt mussten wir dann doch mit direktem CO2-Ausstoß zurücklegen — die Taxifahrt vom Bahnhof zu unserem Ziel. Dafür konnte allerdings das Elektromobil nichts — ich muss nur beim nächsten Mal zur Sicherheit länger reservieren, wenn ich jemanden vom Flughafen abhole.

Mein Fazit: innerstädtisches Elektromobilfahren mit Flinkster ist eine feine Sache. Ich werde das wieder machen.

 

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