Leseempfehlung: Texte der vergangenen Woche.

Nachdem ich jetzt schon zweimal nacheinander aus meiner Sicht wichtige oder eindrückliche Texte in einem Wochenendblogpost verlinkt habe, ist mir diese Woche eine recht banale Sache klar geworden: damit habe ich ja eigentlich auf einem langen Weg zurück zum “ursprünglichen” Bloggen gefunden. Die ersten Blogs – “Weblogs” – waren ja die Logbücher zu den Streifzügen der Autoren durch’s Netz. Und nichts anderes mache ich hier nun auch. Und dabei ist mir aufgefallen, dass man dann, wenn man am Ende der Woche eine Zusammenfassung über das Gelesene schreiben möchte, anders liest, als wenn man sich das nicht vornimmt. Man liest wachsamer, aufmerksamer. Darum mache ich hiermit jetzt weiter.

Ich arbeite im Marketing. Aber ich bin dem Marketing gegenüber nicht unkritisch. Besonders dann nicht, wenn es zu täuschen und zu tricksen versucht. Das, was heutzutage immer häufiger als Native Advertising bezeichnet wird, kommt mir als ziemliche Mogelpackung vor. Es dreht sich um Advertorials, die letztlich nichts anderes erhoffen, als von den Lesern nicht als Werbung wahrgenommen zu werden. Kein Marketingmensch, der in dem Bereich arbeitet, möchte das aber zugeben. Und so kann man schon staunen, welche Erklärungsvolten entsprechende Autoren schlagen, um sich selbst und andere davon zu überzeugen, dass sie mit diesen Advertorials die Welt irgendwie besser machen.

Facebook ist zehn Jahre alt geworden und es war im Social Web unmöglich, der Nachricht zu entgehen. Kein Wunder, muss man wohl sagen. Interessant fand ich, dass die einen erläutert haben, dass Facebook viele Versprechen schuldig geblieben ist, während andere ausführlich die Lobpreisungen sangen — dazu, was das Netzwerk — in diesem Falle: open-source-code-mäßig — alles verändert hat. Twitter, derweil, hat erste Earnings veröffentlicht und damit offenbar enttäuscht. Mich hat es zum Nachdenken darüber angeregt, wieviel mir im Netz fehlen würde, wenn es Twitter nicht gäbe. Die Plattform ist eindeutig meine allererste und hauptsächliche Anlaufstelle ins Netz, die längst (leider) den RSS-Feed verdrängt hat. Zugleich hat sie mir den Zugang zu Menschen und Gedankenwindungen geöffnet, die ich andernfalls nie kennengelernt hätte. Aktuelle Beispiele sind Flashy Bieder, die teilweise unfassbar krauses Zeug twittert, das ich oft überhaupt nicht verstehe, das mir aber gut gefällt:

“Die Resonanzkörper gehören nackt. Idealerweise von einem Zensurbalken bedeckt. Oder Staub. Und Ingwerbier.

Oder der ziemlich unglaubliche Account “Dogs Doing Things” (gefunden bei “Nein.”), der einen in eine seltsame Welt reißt, in der Hunde jenseits aller Philosophie Welten entstehen und zerbrechen sehen:

“Dogs recalling an eternity of rolling a boulder up a hill and watching it roll back down, remarking, ‘Those were wild times.’”.

Da ich jetzt bei trnd zum ersten Mal wirklich Personalverantwortung übernommen habe, denke ich auch deutlich mehr darüber nach, was wirklich gute Mitarbeiter ausmacht. In einem ziemlich langen Artikel über Start-Up-Wachstum (den ich nicht mal ganz gelesen habe), konnte ich einen Gedanken wiederfinden, den ich genau in dieser Weise in meiner Arbeit verwende:

It starts with trusting your employees, and that starts with hiring. You should only hire people you would trust to make decisions without you. That’s the bar. Especially for leaders.

Gut, das auch von anderen zu hören. Denn an dieses Prinzip glaube ich fest. Mein Glück: unser italienisches Team funktioniert genau so.

Richtig traurig hat mich der Tod von Philip Seymour Hoffman gemacht. Es gab und gibt unzählige Texte zu seiner bemerkenswerten Arbeit — auch ich war Fan, seit ich ihn das erste Mal in “Scent of a Woman” gesehen hatte. In jedem Film war er eine Naturgewalt, die in 5 Minuten mehr Emotion und Wahrheit vermitteln konnte, als mancher Hauptdarsteller in 90 Minuten. Ein toller Text auf Medium.com hat seinen Tod und seine Probleme mit Drogen in den Kontext des Künstlerschaffens gestellt. Ich habe in den letzten Monaten viel darüber nachgedacht, was es bedeutet, Künstler zu sein, habe mir Gedanken dazu gemacht, wie sich eigentlich das Anderssein des Künstlers, der uns einen anderen neuen Blick auf die Welt bietet, weil er ihn hat, im Alltag ertragen lässt. Nicht ganz so leicht, offenbar. Aber er wird vor allem fehlen, manchem Film, der ohne seine Präsenz schwächer, ärmer, trauriger sein wird. “He’s so sweet. It’s desperately sad.”

Aber es gab auch glücklich machende Dinge. Einen wunderbaren Cartoon über den allerbesten Bankangestellten der Welt. Dazu die Nachricht, dass es jetzt mit House of Cards weitergeht. Einen Werbefilm, der zwar eine quasi grotesk banale Auflösung bietet, aber mit seiner Geschichte wirklich anrührt. Und schließlich habe ich auf der Internetseite des Kraftfahrtbundesamtes festgestellt, dass sie auf der Seite, auf der man seinen Punktekontoauszug anfordern kann, ein Bild mit einem Marienkäfer abgebildet haben. Der Alt-Text?:

“Ein Marienkäfer Namens Ludwig muss mit seinen Punkten leben, Sie nicht.”

Das auf der Internetseite einer deutschen Behörde? Es gibt noch Hoffnung.

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