“Inception”: viel Lärm um nichts.

Am Samstag habe ich Inception von Christopher Nolan gesehen. Ich bin enttäuscht und kann Begeisterung dafür nicht nachempfinden. Hier die Gründe:

1.) Der Gedanke, im Schlaf das Bewusstsein zu manipulieren, ist spannend. Damit kann man phantastische Dinge machen! Wie traurig, dass Nolan & Co. für diesen interessanten Ansatz keine bessere Idee haben, als einen Industrieerben zur Aufspaltung seines Konzern zu motivieren. Mehr war nicht drin?

2.) Der Film nimmt sich unglaublich ernst. Humor kommt so gut wie nicht vor. Nun kann man sagen, dass ein ernstes Thema einen ernsten Umgang verlangt. Aber es ist kein ernstes Thema, sondern eine absurd überzeichnete Phantasie. Dieser Film geht zum Lachen in den Keller und weint auch dort. Traurig.

3.) Ich bin bei Science Fiction immer sauer, wenn es allzu heftige logische Fehler gibt. In der “zweiten Traumebene” im Hauptteil des Films muss Joseph Gordon-Levitts Charakter das Problem lösen, dass er Leute durch heftiges Zubodenfallen aus ihrem Schlaf wecken soll, obwohl die Schwerkraft außer Kraft gesetzt ist. [Achtung, Spoiler:] Er tut das, indem er die Personen mit viel Mühe in einen Fahrstuhl wuchtet und dort dann die Drahtseile sprengt. Der Fahrstuhl saust nach unten und knallt am Boden auf. Tja. Wenn es keine Schwerkraft gibt, dann geht natürlich auch das nicht. Grober Fehler, der mir die Handlung versaut.

4.) Der Zuschauer wird in “entworfene” Träume mitgenommen. Diese Traumwelten haben jedoch absolut nichts Traumhaftes an sich. Sie sind einfach nur “Scenarios”, in denen der Regisseur wohl offenbar mal drehen wollte – Großstadt, Wintergebirge, Fabrikgebäude. Das ist wenig phantasievoll. Das sieht übrigens auch David Denby im New Yorker so: “Cobb’s intercranial adventures aren’t like dreams at all – they are like different kinds of action movies jammed together.”

5.) Der ganze Film ist enorm schwerfällig – er erzählt eine sehr schmale Geschichte mit unglaublichem Aufwand und unglaublicher Mühe. Das ist weder elegant noch gekonnt.

Das einzige, was mir wirklich gefiel, war das Ende mit dem sich drehenden Kreisel auf dem Tisch. Der Höhepunkt des Films.

David Denby, noch einmal: “At one point, Ariadne asks, ‘Wait – whose subconscious are we going into, exactly?,’ and the audience laughs. It’s the only moment when Nolan acknowledges the nuttiness of his movie.”

Die Dame an der Kinokasse sagte vorher zu mir: “Sie werden den Film mehrfach sehen wollen.”

Nein, ganz sicher nicht.

Kommentare

  1. Falsch!! Er hat im Aufzug nochmal eine Sprengladung gezündet, als die Drahtseile schon durch waren!!Einen Film kritisieren, aber die Hälfte nicht mitkriegen…

  2. @anonymer Kommentator – wenn der Aufprall allein durch die Druckwelle passiert sein soll, dann frage ich mich: wofür der Fahrstuhl?

  3. um alle auf einmal zu bewegen und sie vor der Explosion zu schützen

  4. Versuch zur Güte: Ich denke, man kann es sich dadurch erklären, dass das timing – wie auch immer – so beschaffen ist, dass die Sprengung in genau dem Moment erfolgt, als der Van aufs Wasser schlägt und damit die Ebene wechselt bzw. per Kick die Traumebene aufhebt und damit auch die Schwerkraft für die Akteure wiederhergestellt wird. Die Schwerkraft des Vans hat schließlich auch im Traum Einfluss auf die Schwerkraftverhältnisse der Hotelszene, weil selbe Ebene.P.s.: Warum müssen comments so häufig polemisch-aggressiv ausfallen? Argumentieren hilft!

  5. Ach Herr Oetting,so schlimm war der Movie doch wirklich nicht, vorallem kann ich Ihrer Argumentationsreihe nicht wirklich viel abgewinnen. Der Film läßt soviel Freiraum für Interpretationen und Spekulationen, so dass es beim Punkt 1.) ja auch nicht wirklich um das Thema “Industriezerschlagung 2.0″ sondern doch viel mehr darum geht, dass der Herr di Caprio Stress mit seiner (toten/lebenden) Frau hat und noch viel lieber seine Kids zurück haben möchte. Darum ist die eigentliche Haupthandlung ja gar nur eine Nebenhandlung und somit ist es wiederrum egal um welches Thema es geht. Humor hat der Film nicht, ist auch nicht als Komödie gekennzeichnet und für die Handlung überhaupt nicht relevant von daher… Dem Punkt 3.) kann ich nicht ganz folgen, kann schon was dran sein an Ihrer Theorie, aber “ein grober Fehler der die Handlung versaut”… Sie dürften ja nie Filme ansehen, weil da kenn ich (bei anderen guten Filmen) noch viel bösere Aussetzer.Punkt 4.) gehört eigentlich zur Anfangserklärung, dass jeder den Film so interpretieren kann, wie er gerne möchte. Die Träume sind natürlich bunt aneinandergewürfelt, deswegen sinds Träume und diese haben darum nichts traumhaftes an sich, weil Fischer es für real halten soll was geschieht und größere Abweichungen würden nur dem Projekt als ganzes Schaden.Zu guter Letzt finde ich selbstverständlich den Film auch nicht schwerfällig. Ok. Ok. Leichte Kost is was anderes, aber sogar ich habe beim ersten mal schauen relativ gut durchgeblickt und das will schon was heissen und gerade weil er (Nolan) die Geschichte gerade in den Anfangsminuten es mit soviel Aufwand und Mühe erklärt finde ich es gerade deshalb elegant und gekonnt.Auf einer Wellenlänge (wie sonst eigentlich auch immer) bin ich mit Ihnen natürlich am Ende; der Schluss ist ja wohl das geilste bisher dagewesene ;-) Viele Grüsse

  6. Das Schöne am Schluß ist ja auch, daß einem mit einmal klar wird, daß seine Frau Recht hatte und sich somit wahrscheinlich Dank ihres Sprungs wieder in der Realität befinden dürfte.

  7. Der Aufzug ist nicht schwerelos. In der “zweiten Traumebene” sind die Personen schwerelos, weil der Van fällt, aber alles andere in der Traumebene befindet sich nicht im Van, ist also nicht schwerelos. Sonst würde ja auch das Bett oder die “Security” schweben.

  8. Was ich nicht ganz verstanden habe (oder ist der Plot zu dünn :-) )… In der ersten Traumebene ist eine Stunde (weiß die Zeiten nur noch ungefähr) 1 Woche, in der 2ten Monate und in der dritten 10? Jahre. Also, haben die jetzt Monate gebraucht, um in dieses Casino zu kommen und Jahre, um in das Gebirge zu gelangen? Wenn dem so wäre, was war in der ganzen Zeit davor? Und wenn nicht, was soll dann diese Erklärung? irgendwo müssen sich diese Zeiten doch bemerkbar machen… Haben wir jetzt nur das Finale der jeweligen Ebene gesehen (was sehr dünn wäre)? Kann mich ansonsten mit der Aneinanderreihung von Action-Movies nur dem vorherigen anschließen – toll gemacht – ging mir aber trotzdem am A**** vorbei – leider

  9. Was habt ihr denn da gesehen? Also hier der Versuch konstruktive Kritik an die Kritik selbst auszuüben. ;) A) Nur die – nennen wir sie “Extractors” – wissen Bescheid dass sie sich in einem Traum befinden. Nicht die Zielperson. Sich an Träume zu erinnern ist nicht einfach. Vielfach wenn nicht sogar meinstens erinnert man sich gar nicht oder nur sehr gering an den Traum. Die Zielperson weiss beim Aufwachen nicht über den Traum Bescheid.B) Der Traum als solches dienst lediglich als “Medium” um ins Unterbewusstsein zu gelangen. Nicht im Traum wird ein Gedanke etrahiert oder eingepflantz sondern im Unterbewusstsein der Zielperson.C) Die Aushändigung der Information (Extraction) ist einfach bzw. einfacher als ein Gedanke einzupflanzen. Die Zielperson weiss nicht dass sie träumt und mit Erpressung oder anderen weiniger drastischen Mothoden lassen sich die Extractors die Information aushändigen. Die Zielperson wacht auf hat keine Ahung im Traum die Information weitergegeben zu haben. Satzende. D) Die Einpflanzung einen Gedankens hingegen fällt schwieriger aus, weil man als Zielperson nicht die Herkunft des Gedankens wissen soll. “Denken sie NICHT an Elefanten. – Woran denken Sie? – An Elefanten!” Hier will man den Gedanken des Elefanten einpflanzen, was sich als erfolgreich anhört, jedoch nicht ist. Den die Zielperson weiss woher es stammt. Nicht er selbst hat an Elefanten gedacht, sondern wurde manipulativ mitgeteilt es nicht zu machen. Dennoch ist es nicht sein eigener Gedanke! Also muss man strategisch vorgehen um der Zielperson glaubthaft zu machen, sie selbst sei auf diesen einen Gedanke gekommen.E) Soviel Text um eigentlich nur eine Sache zu erläutern: Die Traumwelten MÜSSEN realistisch sein, sonst würde das Unterbewusstsein nicht darauf eingehen. Es würde ein Kolflikt entstehen, denn einerseits beschäftigt es sich mit reellen Angelegenheiten (Informationen oder Gedanken in der reellen Welt), andererseits würde es sich in “Alice im Wunderland” befinden. All die Geschehnisse müssen lediglich das Unterbewusstsein manipulieren nicht den Verstand.F) Zum Thema Schwerelosigkeit und Timing beim Aufwachen: Ohne Drogen (Sedativa), erwacht man schlicht und eifach durch das Gefühl des Fallens oder des Sterbens. Mit jedoch, darf man nicht sterben da sonst man im Limbus landet, die tiefste Ebene des Unterbewusstsein in welcher man Realität und Traum nicht auseindander halten kann. Hier reden wir nur von den Extractors, die einst wussten sie würden träumen und nicht von der Zielperson, die wiederum von vornweg nicht weiss dass sie träumt. Somit kommt nur noch das Aufprallen als Aufwachmethode in Frage. Denn eigentlich würde das Fallen genügen, aber da es im Film viel zu Früh als geplant geschieht, ist die Stärke der Sedativa noch zu stark (diese lässt kontinuirlich nach) um es zu realisieren. Und jetzt vorsichtig: Die echte Sedativa wird nur im Flugzeug benutzt, danach träumen sie nur noch lediglich davon in einer weiteren Traum zu gelangen. Hierbei genügt wiederum das Fallen als “Wecker”. Sprich: in der ersten Ebene = Aufprallen, allen anderen Ebenen = Fallen. Auch hier viel zu viel um eigentlich die Szene des Fahrstuhls zu erklären: und die ist das simpelste am ganzen Film! Der Fahrstuhl schisst nach oben und nicht nach unten! Nach der Explosion (Druckwelle = Tot = Limbus also nicht optimal), drückt es die Charaktere am Boden des Fahrstuhls! Beim Aufprall an die Decke werden sie nach oben geschläudert. In dieser kurzen “umgekehrten” Fallphase wachen sie auf.Viel zu viel um ein womöglich komplexer aber genialer Film zu erklären. ;) Gruss Euch allenAle

  10. Also die Fahrstulhszene ist immernoch unklar. Wenn man durch “Fallen” aufwacht ab der 2. Ebene dann müssten sie schon aufwachen wenn sie durch die Sprengladung beschleunigt werden. Der Körper spürt nämlich nur zu Beginn die Beschleunigung und als der Fahrstuhl mit konstanter Geschwindigkeit richtung Boden/Decke rast nichts. Fallen wird hier aber mit der Erdbeschleunigung verbunden und nicht mit dem Fall bei konstanter Geschwindigkeit. Also müssten sie bei dem Zünden der Sprengladung genauso aufwachen wie beim Aufprall.

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