“Ihr müsst unbedingt Mozzarella mitbringen!”

Einer der vielleicht wichtigsten Unterschiede zwischen italienischem Leben und deutschem Alltag ist der Umgang mit dem Essen. Zu dem Thema könnte man tausend Dinge sagen und danach noch lange nicht fertig sein — aber ein aus meiner Sicht besonders unterhaltsames Phänomen habe ich schon früh nach meiner Ankunft hier im italienischen Büro beobachtet:

Jeder Italiener weiß, welche Spezialitäten es in den unterschiedlichen Städten und Landstrichen Italiens gibt. Und kann sich unendlich darüber freuen.

Ich merke das immer dann, wenn ein Termin bei einem potenziellen Kunden ansteht. Die trnd-Berater reisen viel durch’s Land und erläutern (potenziellen) Kunden, warum es sinnvoll ist, mit uns zu arbeiten und Konsumenten aktiv in den Marketingprozess zu involvieren. Das bedeutet, dass regelmäßig Termine in ganz unterschiedlichen Städten Italiens ausgemacht werden. Immer mal wieder, wenn ein neuer Termin bei einer interessanten Firma ausgemacht wird, ist das eine Nachricht, die auch gern mal an das Team hier vor Ort weitergegeben wird.

Jedes Mal konnte ich dabei das gleiche Schauspiel erleben: nach kurzem Austausch der Kollegen darüber, bei wem wir den neuen Termin haben, wurde das Gespräch sofort umgelenkt auf das eigentlich wichtige Thema: das Essen, für das die Region, in der der Termin stattfindet, besonders bekannt ist:

  • “Ihr fahrt nach Neapel?! Wow, dann musst Ihr unbedingt Mozarella mitbringen!” Und sofort stimmen alle ein, reden durcheinander und unterhalten sich eine halbe Stunde lang darüber, wie unfassbar großartig Büffel-Mozarella aus Neapel ist, welche Rezepte sie dazu kennen und was sie damit schon für großartige Essen erlebt haben.
  • “Ihr fahrt nach Florenz?! Wahnsinn, da gibt es ja die beste Fiorentina …” Und wieder: eine halbe Stunde kollektive Begeisterung für T-Bone Steaks aus Florenz.
  • “Catania! Na, dann müsst Ihr aber unbedingt Pasta alla Norma essen …” Und direkt spontaner Enthusiasmus aller Kollegen gemeinsam über Pasta alla norma.
  • Und so weiter.

Sowas habe ich noch in keinem anderen Land erlebt. Jedes Kind scheint hier zu wissen, woher welche Spezialität kommt. Und das als zentralen Bestandteil des Lebens anzuerkennen und ernstzunehmen. Das zeigt auf bemerkenswerte Weise, wie viel ausgeprägter hier das Wissen um Essen als Kulturgut ist.

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