“Hussein” – was von Wulff hoffentlich bleibt.

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Auch ich habe mich über Christian Wulff aufgeregt: über seine unwürdigen Spielchen und über sein provinzielles Getue. Über die für einen Politiker seines Amtes wirklich unwürdige Bereitschaft, auf derart sonderbare Zuwendungen einzugehen. Ich fand schließlich auch, dass so ein Mann nicht mehr deutscher Bundespräsident bleiben sollte.

Neulich war ich abends mit dem Auto in Berlin unterwegs. Ich stand an einer Ampel und starrte etwas gedankenverloren auf das Auto, das vor mir wartete. Plötzlich fiel mir der Aufkleber auf der Kofferraumklappe des Volkswagen auf. Ein Aufkleber der Marke Hipp, er teilte mir mit, wie das Kind heißt, das wohl oft auf der Rückbank dieses Autos mitreist: Hussein. Nicht Leo, nicht Marie oder Anne, sondern Hussein.

Ich habe mich sehr über diesen Aufkleber gefreut, schnell mein Handy gezückt und das Foto oben gemacht.

Einen Aufkleber mit dem Namen des eigenen Kindes auf den Kofferraumdeckel zu kleben, ist eine deutsche Marotte, die ich eher albern finde. Ich weiß nicht, ob man von Hipp Aufkleber bekommt, auf denen Hussein schon aufgedruckt ist. Oder ob es sich hier um einen personalisierten Aufkleber handelt, den sich der Fahrer selbst gebastelt hat. Aber das ist nicht so wichtig. Gefreut hat mich, dass Menschen, die ihr Kind Hussein taufen, das hierzulande offenbar auch auf ihrer Kofferraumklappe kund tun. Dass sie diese Marotte natürlich ganz selbstverständlich auch annehmen. Denn es zeigt mit so entwaffnender wie unabstreitbarer Klarheit im ganz, ganz Kleinen: ja, in der Tat, der Islam gehört heute zu Deutschland.

(Natürlich steckt in meiner Schlussfolgerung mindestens ein problematisches Vorurteil — ein Mensch, der Hussein heißt, kann natürlich ebenso leicht Christ sein. Es gibt ja ein sehr berühmtes Beispiel … Ich erlaube mir aber einfach mal die Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit in Deutschland schon recht hoch ist, dass es sich hierzulande bei Hussein um ein Kind aus einer islamischen Familie handelt.)

Dass als Konservativer so deutlich ausgesprochen zu haben, ist die wichtige große Leistung von Christian Wulff. Er hat das, was dieser kleine Aufkleber ganz leise im Straßenverkehr sagt, mit mutiger Rede insbesondere der konservativen Politikergilde vor den Latz geknallt. Denn es ist eine Wahrheit, die man akzeptieren muss, um heute und hierzulande gute Politik machen zu können.

Meine Hoffnung ist, dass wir irgendwann den ganzen Wulffschen Kleinmist vergessen und dass dafür in der Politik und bei allen, die es noch immer nicht wahrhaben wollen, der eine Gedanke hängen bleibt: Hussein ist heute ein Teil von Deutschland. Und das ist gut so.

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