Für Offliner, die sich über Facebook mit der Megafonmetapher lustig machen.

Wenn’s um Facebook und Co geht, verwenden die Offliner (grade in den klassischen Medien) hin und wieder gern die Metapher des schwachsinnig im Alltag eingesetzten Megafons. Aktuelles Beispiel hier, entdeckt dank @uknaus. Neulich bei einem Gespräch mit einem Werber aus Hamburg kam dieselbe Metapher – nur leicht abgewandelt: so Status-Updates seien doch genauso, wie wenn sich jemand in der Kneipe auf den Tisch stellt und irgendwelchen Kram durch den Raum brüllt.

So machen sich die Offliner über die unterschiedlichen Möglichkeiten lustig, mit denen man heutzutage im Social Web seinen Freunden, Followern und anderen vernetzten Menschen mitteilen kann, was man grade tut, denkt, isst oder sonstwie für mitteilenswürdig hält. Das sieht natürlich irre komisch aus und führt den glücklich Nichtvernetzten plastisch vor Augen, was für Idioten diese Internetspinner alle sind.

Nur: wer so redet, hat ja nichts verstanden. Denn es ist genau anders herum: wenn ich bei Twitter oder auf Facebook was poste, dann sehen (geschweige denn: hören!) das Desinteressierte und mich nicht Kennende unschuldige Mitmenschen überhaupt nicht. Ich lasse jeden, der meinen Kram für irrelevant hält, komplett in Frieden. Dränge mich niemandem auf, quassel niemanden voll, der von mir nicht hören will. Ganz im Gegenteil spreche ich ausschließlich und allein zu denen, die mich vorher explizit darum gebeten haben. Nur wer mittels Klick auf “Follow” etc. entschieden hat, dass er oder sie diesen ganzen Kram von mir haben will, hört auch von mir. Das ist hier alles ‘Pull’. Niemals ‘Push’.

Ihr dagegen, in den Push-Medien, seid die mit dem Megafon. Und quasselt auch gern mal dazwischen, wenn ich eigentlich was anderes hören möchte – beispielsweise den Song, den Ihr ausblendet, obwohl er noch nicht zuende ist. Wir hier, im Social Web, sprechen nur mit denen, die das interessiert. Oder, um Clay Shirky zu zitieren: “We’re not talking to you.”

Nachtrag 05.05.2010 abends: hätte ich das gestern schon mitbekommen, hätte ich das natürlich hier aufgenommen: Trigema, Herr Grupp und das Internet.

Kommentare

  1. Stimmt genau, aber ob die Angesprochenen das hier lesen werden? Besser die Botschaft als Plakat aufhängen, als Postwurfzettel verteilen und in Parkbänke ritzen ;-)

  2. @Ulrike Dachte ich mir auch. Manche von denen haben ja immerhin Email. Da könnte man den Link immerhin weiterleiten. ;)

  3. Richtig. Und auch richtig, was Ulrike gesagt hat. :)

  4. und auch immer wieder passend: http://www.gapingvoid.com/ifyoutalkedtopeople.jpg

  5. Für twitter richtig. Für Facebook nur halb. Denn dort habe ich ggf. jemanden “ge-friended”. Und dann können meine Status-Updates dort auch durchaus den Megaphon Character bekommen. Kann man natürlich auch ausblenden oder im “Worst case” wird man halt wieder entfreundet.

  6. na, das scheint ja eine “ich bin man besser (wahlweise: moderner, hipper, bodenständiger, realer) als du” unterhaltung zu werden …… und ich fühle mich als mal offliner in der realität und mal voll vernetzt als onliner in dieser realität. koexistenz schafft frieden … grins.

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