Finale Bundespräsidenten-TagCloud. Und: wir für Gauck!

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Als ich letzte Woche auf diesen Blogpost von Nico Lumma mit meinem kleinen Vorschlag geantwortet habe, hätte ich nicht erwartet, dass die Sache so eine Resonanz finden würde: 10489 Views (aktuell) und 448 Kommentare sind für meinen kleinen Notizzettel hier schon eine amtliche Ansage. (Parallel hat Jens Best dieselbe Sache mit einem Doodle betrieben.)

Besonders gut gefiel mir, wie konstruktiv und entspannt die Sache ablief – hunderte Kommentatoren haben ihre Vorschläge für den Bundespräsidenten abgegeben, ohne zu trollen und rumzuspinnen. Unterstützt wurde die Sache von 189 Tweets (laut Rivva). Sehr zivilisiert und engagiert erschien mir das alles. Es entstand ein schönes breites Spektrum interessanter Namen, von denen viele für das Amt wirklich geeignet wären.

Natürlich war der Vorschlagsprozess mittels Kommentar nicht das ideale Instrument. Denn wenn man alle Vorschläge seiner Vorkommentatoren sieht, hat das sicher einen Einfluss auf den eigenen Beitrag. Auch meine TagClouds werden diese Tendenz bestärkt haben.

Aber das macht letztlich nicht viel. Mir ging es ja nur darum zu zeigen, dass wir im Web konstruktiv und positiv mit einer politischen Personalie umgehen können. Genau aus diesem Grund wollte ich dann diese Woche auch mit einer Abstimmung, an der (hoffentlich) noch viel mehr Leute teilnehmen sollten, zeigen, wen sich das Web als Bundespräsidenten wählen würde.

Dann aber schoss sich Angela Merkel auf Christian Wulff ein (aus meiner Sicht ein recht absurder Kandidat). Und das Interesse hier ließ rapide nach. Einige Leute, mit denen ich dazu gemailt habe, schrieben mir sinngemäß: “Nette Sache, aber ist doch gelaufen, Christian Wulff wird’s.”

Das trifft’s aus meiner Sicht aber nicht – es ging hier ja nicht darum, einen neuen Bundespräsidentenkandidaten zu finden. Sondern es ging darum, spontan improvisiert mit politischer Willensbildung zu experimentieren. Und das ist noch lange nicht gelaufen – ganz im Gegenteil geht’s damit grade erst los. Ich denke, dass wir in den kommenden Jahren viel darüber lernen müssen, wie Demokratie im Web funktioniert, funktionieren muss, funktionieren soll.

Aber ich sehe ein, dass sich solche Prozesse nun vielleicht nicht mehr auf die hypothetische Wahl eines Web-Bundespräsidenten, sondern lieber auf die ganz konkrete Frage konzentrieren sollten, ob wir nicht mittels Web den Kandidaten Gauck unterstützen könnten.

Daher gebe ich hiermit wieder zurück an Nico Lumma, der damit schon mal angefangen hat.

Nachtrag 8. Juni 2010: Die W&V hat mit mir ein Interview zum Thema “Gauck 2.0″ gemacht, wo ich noch ein paar Sätze mehr zu dieser Sache sage.

(Das oben ist die sozusagen “finale” TagCloud. Hier nochmal die Variante, aus der ich Joschka Fischer entfernt habe, damit man besser sehen kann, wer danach in den Nennungen kommt:)

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[Bitte beachten: dies ist ein unbezahltes Privatprojekt von Martin Oetting und hat keinerlei Verbindung mit den Aktivitäten der trnd AG, bei der Martin Oetting als Director Research tätig ist. Die trnd AG ist in ihrer Arbeit unpolitisch und unterstützt keine politischen Parteien oder Kandidaten.]

Kommentare

  1. Hach, nett. Durch die Trennung von Vor- und Nachnamen fühl ich mich da ja glatt geehrt. ;-) Find ich ne schöne Aktion. Und ich bin ganz klar dafür, Gauck zu unterstützen.

  2. Danke für die Arbeit, die Du Dir mit der Auswertung gemacht hast.

  3. Ich danke Dir auch. So wie Du in Deinem aktuellen Kommentar schreibst, sehe ich das auch. Demokratie selber machen. Versuchen, üben, und bald können… Liebe Grüße, Susanne

  4. Das war eine gute Aktion, die ich gerne unterstützt habe. Ebenso stimme ich Dir zu, dass es darum ging politische Willensbekundung zu zeigen.

  5. Schliesse mich an: Gute Aktion! Zeigt auf, welche Möglichkeiten das Internet bietet und wie wenig unpolitisch die vermeintlich schweigende und parteipolitisch ungebundene Mehrheit sein kann, wenn man eine Möglichkeit zur Diskussion bietet! Mehr davon für die Zukunft!

  6. danke für die arbeit, martin! :)

  7. Kandidat Bundespräsident : M.E. wäre Herr Dr. Hans Herbert von Arnim gerade in der heutigen Zeit ein idealer Kandidat.Er kritisiert regelmäßig kompetent und glaubhaft die Parteien, die Vergütungen und viele Gesetze sowie demokratiefeindliches Verhalten von Staat und Parteien.

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