Es geht beim Leistungsschutzrecht nicht um Google, es geht um Twitter!

Ich habe ein wenig über das Leistungsschutzrecht nachgedacht und bin zu obigem Schluss gekommen. Folgend kurz die Überlegung in sechs einfachen Schritten:

  1. Twitter ist eine Plattform, auf der millionenhaft Internettexte angeteasert und verlinkt werden. Werbeeinnahmen der Plattform entstehen, indem Werbung neben, über oder unter vielen solcher Tweets eingeblendet wird. Also genau dort, wo auch die sorgsam erstellten redaktionellen Texte der deutschen Verleger angeteasert werden, die das Leistungsschutzrecht fordern. Damit handelt es sich bei Twitter ebenfalls um die Sorte Aggregationsplattform, die das Leistungsschutzrecht zum Ziel hat. Denn: könnte man auf Twitter nicht so leicht auf redaktionelle Texte deutscher Journalisten verlinken, wäre Twitter nur halb so interessant!
  2. Damit sorgen die deutschen Pressehäuser mit dafür, dass Twitter wertvoll ist. Genau deswegen haben sie also auch ein gutes Anrecht am Geld, das Twitter verdient.
  3. Viele Publikationen der deutschen Verleger verwenden Twitter, um auf ihre eigenen Texte zu verweisen. Nehmen wir als Beispiel die WELT Online. Mehr als 64.000 Follower interessieren sich dafür – man sieht also, wie die WELT Online Twitter für viele Menschen interessanter macht!
  4. Damit ist es ein gutes Recht von WELT Online, von Twitter Geld zu verlangen: indem die Journalisten Texte ins Internet hineinstellen und dann den interessierten Menschen auf Twitter freundlich den Weg dahin weisen, schaffen sie Mehrwert für Twitter. Die WELT Online arbeitet hart daran mit, Twitter interessant zu machen.
  5. Und damit kommen wir schon zum genialen Schluss des Plans: wenn die deutschen Verlage einen Link auf Twitter publizieren, wird damit ein Mehrwert erzeugt, der Geld wert ist (siehe oben). Dieses Geld fordern sie über das Leistungsschutzrecht ein. Wenn sie einen zweiten Link publizieren, können sie also mehr Geld einfordern. Sapperlot. Mit anderen Worten: je mehr die deutschen Verlagshäuser auf Twitter posten, desto mehr Geld schuldet Twitter ihnen. Die Höhe der Schulden von Twitter an die deutschen Verlagshäuser hängt also direkt davon ab, was die deutschen Verlagshäuser den ganzen Tag lang selbst auf Twitter tun.
  6. Sie können also mit sehr geringem Aufwand ihr Einkommen stetig ausbauen, indem sie immer mehr, immer mehr, immer mehr Links auf Twitter posten. Da es sich dabei um einen Praktikantenjob handelt, oder um eine Sache, die von Bots erledigt werden kann, dürften hohe Gewinnmargen zu erwarten sein. Vermutlich werden sie in ihren Vorständen den Posten des Twitter Cash Generation Officers einführen. Das Konzept ist eine Geldumverteilungsmaschine, wie die Welt sie noch nie gesehen hat! Eine Art Perpetuum Mobile der Geldvermehrung aus den Kassen von Twitter! (Begrenzt nur durch die Tiefe eben dieser Taschen. Diverse Axel-Springer-Leute gehen ja ins Silicon Valley. Ich vermute um zu klären, wie tief und voll genau die Taschen sind.)

Und daher komme ich zu dem Schluss: es geht beim Leistungschutzrecht nicht um Google. Denn Google kann ja ganz einfach verhindern, dass die Artikel der deutschen Verleger im Index und auf den News-Seiten auftauchen. Wie aber soll Twitter verhindern, dass die deutschen Verleger bei Twitter selbst auf ihre eigenen Texte verweisen! Jaha. Und da soll noch einer sagen, die deutschen Verleger hätten keine Ideen für Geschäftsmodelle im Internet!

Kommentare

  1. Bekommt Justin Bieber (analog dazu) den linear auf seine Tweet- und Followerzahl hochskalierten Betrag? Dann wird das aber nichts, mit der Monetarisierung von Twitter… :D

  2. Interessanter Ansatz und der Wechsel des Springer-Menschen zu Twitter erscheint in einem neuen Licht. Für Facebook gilt ja ähnliches, das kann der Praktikanten-Bot gleich mitmachen, oder einfach beides miteinander verbinden.Viele GrüßeJan

  3. Die Frage ist: Wer zahlt die Lizenzen? Facebook und Twitter? Oder die Nutzer, die auf Facebook und Twitter posten. Das werden die Plattformen über ihre AGBs regeln.

  4. Der Ironiemodus viel mir irgendwie erst sehr spät im Artikel auf…

  5. Das geht nicht auf, weil die WELT, wenn sie Twitter nutzt, den Nutzungsbedingungen zustimmt, und demnach kann der Inhalte (Tweet) beliebig auf dem Twitter-Dienst verteilt werden, und da bleibt er ja auch beim Retweet.Neinein, es geht schon um Aggregatoren und Suchmaschinen.

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