Erst will die Telekom Google erpressen. Tja, und dann erpresst Google die Telekom.

Die Telekom will bald bei den Internetfirmen die Hand aufmachen, mit einer ganz einfachen Drohformel. Am Beispiel von YouTube und Google klingt das dann etwa wie folgt: “Wenn Ihr uns nicht Geld für das Durchleiten von YouTube-Videos bezahlt, dann machen wir Eure Filme langsamer. Dann verliert Ihr User und Werbeeinnahmen.” So denkt sich das die Telekom: “Jaha. Da werden sie schon spuren, bei Google, und uns Geld bezahlen dafür, dass wir ihre Inhalte auch weiter zügig durchleiten.” Und das ist dann auch das Ende der Netzneutralität.

Ulf Schmidt erklärt dankenswerter Weise in einem längeren Text, dass es genau andersrum kommen wird. Denn kein Mensch interessiert sich für die Drähte der Telekom. Das einzige, was Menschen interessiert, sind die Inhalte. Deswegen wollen sie ins Internet. Nicht andersrum. Kein Mensch will die Telekom. Kaum ein Mensch interessiert sich für deren Dienste. Die Leute bezahlen zwar bei der Telekom, aber was sie wollen, sind Google, Facebook, Vimeo & Co.

Was wird also passieren, wenn die Telekom mit ihren Forderungen bei Google aufkreuzt? Google wird sagen: “Ach, wisst Ihr was: dann lassen wir das einfach. Dann ist halt für alle Telekom-Kunden in Deutschland YouTube nicht mehr erreichbar. Das ist auch okay.”

Und was passiert dann? Die Telekom knickt vermutlich nach genau einer Woche ein. Denn die Kunden, die dann abwandern, können sie gar nicht zählen. Oder Google geht hin und sagt “mit unseren Milliarden legen wir mal selbst schnelle Leitungen durch Deutschland. Wenn Ihr das mit dem Breitbandausbau nicht gebacken bekommt, dann machen wir das halt.”

Ulf argumentiert, dass es deswegen eigentlich anders herum sein müsste. Die Telekom müsste den Internetkonzernen Geld dafür bezahlen, dass sie ihre Leitungen interessant und attraktiv machen. Denn ohne interessante Inhalte würde kein Mensch auch nur einen Cent bei der Telekom für Internetleitungen lassen. Wie gesagt: niemand will Drähte. Alle wollen coolen Content.

Dass die kleinen Internetanbieter diese Möglichkeit zur Gegenerpressung der Telekom nicht haben, steht natürlich auf einem anderen Zettel. Und macht das Vorgehen der Telekom damit weiter nicht nur dumm, sondern politisch problematisch. Aber spannend bleibt die Sache dennoch.

Kommentare

  1. Im Prinzip ist das alles richtig. Nur leider können viele Kunden aufgrund von Vertragslaufzeiten nicht schnell kündigen. Mal ganz abgesehen von der Trägheit der Masse.

    Aber schöner Gedanke…

  2. Seit ich vor ca. zwei Jahren aus München zurück ins Rheinland aufs Land gezogen bin, ärgere ich mich mit langsamen Internet herum, oder zumindest langsamer als vorher (obwohl der Anbieter meines Vertrauens mir DSL zugesagt hatte, aber das ist eine andere Geschichte…). Und seitdem überlege ich mehr als zweimal, bevor ich Inhalte oder Dienstleistungen übers Internet beziehe, weil es einfach laaaange dauert. Ich denke, dass einigen Inhalteanbietern dadurch schon der ein oder andere Euro durch die Lappen gegangen ist. Und seitdem frage ich mich immer wieder, warum Inhalteanbieter wie Google, Amazon oder Apple sich nicht beteiligen an dem Netzausbau. Ich werde ja wohl nicht der Einzige in diesem Land sein, dem es so geht. Wäre eine gemeinsame Investition da nicht sinnvoll für alle?

  3. Netzneutralitätsdiskussion anders herum? Ironischerweise sind die Motive andere, die Folgen aber identisch. Finde ich zu kurz gedacht.

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  1. Frühjahrsputz, kein Hochwaser und Katzencontent - unser Wochenrückblick - crowdmedia - Social Media verstehen - 7. Juni 2013

    [...] Als kleine Nachwehe des Drosselgates der Telekom habe ich hier noch einen kleinen, sympathischen Blogartikel gefunden, in dem davon ausgegangen wird, dass sich die Sache ganz einfach regeln wird. Dafür [...]

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