Eine Frage an die deutschen Medien.

Nachtrag 22.12.2016, 9:52 Uhr:

Einige Leute haben auf Facebook und anderswo angemerkt, dass es riskant sei zu behaupten, das sei eine Einzeltat, denn das sei ja noch gar nicht klar. Das ist ein Denkfehler, aus folgendem Grund:

Es spielt keine Rolle, wie groß die Organisation ist — wenn eine aufwändige Organisation nicht zu mehr in der Lage ist als zu einer Tat, die jeder Depp mit einem Vorschlaghammer ausführen kann, dann ist diese Organisation genau so viel Wert wie überhaupt keine Organisation zu haben.

Anders wäre es, wenn wir jetzt sehen würden, dass in ganz Deutschland in 50 Städten LKWs in Weihnachtsmärkte gefahren sind. Wenn es aber bei dieser einen isolierten Tat bleibt, dann ist gleich, wieviele daran letztlich “mitorganisiert” haben. Denn wer von langer Hand planen muss, einen LKW zu klauen und den in eine Menschenmenge zu fahren, der ist noch viel weniger eine Bedrohung als der, der das spontan aus dem Affekt macht. Denn wie gesagt — sowas kann einer alleine auch in 5 Minuten “planen”.

Kommentare

  1. “Ohne Organsiation. … Er hat keinen Plan, es gibt keine Strategie, … er hat keine Organisation, es gibt keine Struktur, es ist nichts dahinter, ABSOLUT NICHTS. Die Vollochsen von ISIS behaupten natürlich, dass sie damit zusammenhängen. DAS IST TOTALER SCHWACHSINN!”

    Du reitest ewig drauf herum, betonst es mehrfach, brüllst am Ende “Das ist totaler Schwachsinn!”, um jetzt nonchalant zu erklären, es wäre egal? Das sollte sich mal jemand in den von dir so hart kritisierten Medien erlauben. Wenn du meinst, es ist nicht wichtig, ob es Hintermänner gab oder nicht, dann behaupte halt nicht, es gäbe keine. Und vor allem, behaupte es nicht fünfmal hintereinander, mit einem am Ende gebrüllten “Es ist Schwachsinn.”

    Vor allem wenn eben diese These auf sehr tönernen Füßen steht. “Einen LKW zu klauen, das kann jeder tun.” Ah ja? Dir ist klar, dass LKWs oft nicht zu knappe Werte transportieren? Das wär natürlich superpraktisch, wenn jeder “Depp mit einem Vorschlaghammer” einfach einen LKW klauen könnte. Seit “Auf Achse” hat sich die Sicherheitstechnik deutlich weiterentwickelt, und einen Vierzigtonner fährt auch nicht jeder durch die Berliner Innenstadt.

    Du kannst ja gerne mal versuchen, einem 150-Kilo-Trucker seinen LKW zu klauen. Würde nicht gut für dich ausgehen. Ohne Pistole und Nahkampfausbildung hätte dieser Plan nicht funktioniert.

    Dann tust du so, als ob jeder mal eben mit einem LKW 60 Menschen überfahren könnte. So einfach ist das eben auch nicht. Ist dir mal aufgefallen, wie perfide perfekt der Ort ausgesucht war? Der LKW konnte relativ gerade auf den Weihnachtsmarkt fahren, dementsprechend Tempo mitnehmen. Offenbar war genau dieser Weg auch noch hindernisfrei, weil er als Feuerwehrzufahrt gedacht war. Das muss man erstmal herausfinden. Jetzt wirst du natürlich sagen, kann doch jeder mit Google Earth und etwas Ortskenntnis. Aber du unterschätzt das, weil du die Sache von ihrem Endergebnis aus betrachtest.

    Du kannst mir jetzt Kleinkariertheit vorwerfen, aber in einem Text, in dem man andere so scharf kritisiert, sollte man selbst einigermaßen plausibel argumentieren. Du hältst den Medien vor, es würde fast so aussehen als ob gemeinsame Sache mit Terroristen und Rechtsextremen zu machen, das ist das ganz große Fass. “Klickgeilheit” konstatierst du, weil der Anschlag auf den Homepages so viel Platz einnimmt. Um dann in deinem Twitterfeed fünfmal andere zu retweeten, die deinen Text loben.

    Das Ärgerlichste, du gehst nicht mal in die Tiefe. Kein Satz zur Problematik, wie die Medien deiner Meinung nach mit den Verbrechen des NSU umgehen sollen. Würdest du die Zahl der Opfer auch relativieren mit der Zahl der Menschen, die in den Jahren des NSU-Terrors von der Leiter gefallen sind? Sollen die Medien Brandanschläge auf Asylbewerberwohnheime totschweigen, “weil jeder Depp mit einer Bierflasche und etwas Benzin aus dem Reservekanister” das machen kann?

    Deine Grundüberlegung ist ja respektabel, aber ich halte es für sinnvoll, gemeinschaftlich nach einer Lösung zu suchen, wie man einerseits das verständliche Informationsbedürfnis der Menschen bedient und andererseits den Terroristen möglichst wenig Aufmerksamkeit verschafft. Aber eben gemeinschaftlich und nicht, in dem man wutschnaubend der Presse quasi Kollaboration mit dem Terror vorwirft.

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