Drei populäre Irrtümer über Atomkraftgegner.

Die aktuelle Debatte erfordert offenbar eine kleine Klarstellung:

  • Zynismus: Wenn Atomkraftgegner angesichts der aktuellen Vorfälle in Japan darauf hinweisen, dass es eine gute Idee sein könnte, vielleicht die Atomenergie abzuschaffen, dann hat das nichts mit Zynismus zu tun, sondern mit Logik. Zynismus herrscht bei jenen, die einerseits den beklagenswerten Unfall in Japan betrauern und zugleich erklären, dass ansonsten alles so weitergehen müsse wie bisher.
  • Realismus: Atomkraftgegner zu sein bedeutet nicht, naiv den Kopf in den Sand zu stecken und mächtig Kohle verbrennen zu wollen. In der überwältigenden Zahl sind Atomkraftgegner nämlich etwas viel besseres und positives: Anhänger regenerativer Energien. Dass die regenerativen Energien mehr zu leisten in der Lage sind, als sich die meisten noch vor wenigen Jahren vorstellen konnten, ist mittlerweile klar. Bereits heute kommen dauerhaft über 10% unserer Stromversorgung aus regenerativer Energie (Update: grade sagt Klaus Töpfer im Presseclub, dass es 17% der Stromerzeugung sind), in Spitzenzeiten sind es mehr als 30%. Da geht noch was, da geht noch ganz deutlich was. Nur die Atomkraftwerke stören dabei. Denn sie sind so ausgelegt, dass sie eine einfache Lastverteilung und graduelle Umschichtung nicht ermöglichen. Die Mär von der Brückentechnologie hilft niemandem. Sie zögert nur das Unvermeidliche heraus, nämlich den Abschied von einer Technik, die uns untragbaren Müll verschafft, für dessen Folgen kein Energiekonzern zu zahlen bereit ist.
  • Falsche Zeit, falscher Ort: Der Vorwurf, dass zur aktuellen Stunde nichts anderes zähle als Hilfsbereitschaft und Mitgefühl, ist Unfug. Natürlich müssen die Regierenden und all jene, die Hilfe leisten können, sich darauf fokussieren, dass jenen in Not geholfen wird. Aber es wäre absurd zu behaupten, dass die deutsche Bevölkerung nun von der Katastrophe hier vor Ort so mitgenommen sei, dass sie nun nicht mehr über politische Fragen diskutieren könne. Die Mehrheit hier kann nur spenden und hoffen. Aber ansonsten hört doch das Leben hier nicht auf! Warum können wir also nicht aus Anlass der japanischen Katastrophe über unsere Atompolitik diskutieren? Wir können ja auch weiter einen trinken gehen, arbeiten, Sex haben, den Hund ausführen oder den Müll wegtragen?! Es gibt keinen besseren Moment als jetzt, um über Atomstrom und den Ausstieg zu reden.

Kommentare

  1. Zustimmung und eine ergänzende Anmerkung zum Realismus: real ist, dass hier in Nordfriesland extrem leistungsfähige Windkraftanlagen abgeschaltet werden, weil die Kapazität der Netze den produzierten Strom nicht “schlucken” können.

  2. Danke.Hast du Quellen zu den Zahlen und Fakten unter “Realismus”?

  3. Ein populäres Irrtum über den Unfall in Japan:Da war verdammt nochmal ein extrem starkes Erdbeben – was allein noch nicht mal zum Totalausfall geführt hatte. DAS ist schon beachtlich. Allerdings hat eben der anschließende Tsunami da ein paar wichtige Dinge weggespült und somit kam es letztendlich zum Anfang der Katastrophe.ABER: Die ganzen Atomkraft-Gegner stellen das immer so dar, als seien die AKWs in Japan einfach so geplatzt. Als sei es generell eine unsichere Technologie. Und genau DAS ist Blödsinn. Seit Tschernobyl wurden die Sicherheitsmaßnahmen in AKWs drastisch verbessert. Unter normalen Bedingungen führt sogar menschliches Versagen nicht mehr zum Super-GAU. Und hier in Europa haben wir normale Bedingungen: Keine Erdbeben, keine Tsunamis, keine Monsterstürme.Und wenn Naturstrom in großen Mengen abgegriffen wird, wird uns sicher auch noch eine Überraschung erwarten. Die Windkraftwerke schlucken die Windenergie, so dass Blumensamen und warme Brisen weniger weit getragen werden, als vorher. Strömungskraftwerke schwächen die Strömungen ab – die ebenfalls für das Klima verantwortlich sind. Und Solarpaneele fangen die Hitze ab, bevor sie den Erdboden erwärmt. Wenn DAS alles irgendwann in großem Umfang gemacht wird, dann bin ich mal gespannt, was passiert…

  4. Die Atomkatastrophe in Japan wurde primär von einem “unvorhersehbaren Ereignis” ausgelöst. Wer denkt das es ein Erdbeben war – der denkt zu kurz.

  5. EIn populärer Irrtum ist auch: Nur weil man nichts von Störfällen in den Medien liest, heisst es nicht, dass jene Technologie sicher ist:http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_meldepflichtiger_Ereignisse_in_deutschen_k

  6. @Paul Ich habe vor einem halben Jahr einen phantastischen Vortrag von Dr. Michael Sterner vom Fraunhofer Institut gehört. Der hat die Zahlen präsentiert. Wer den Mann in einem Vortrag erleben kann, der sollte sich das nicht entgehen lassen. Wenn Du den Namen googelst, wirst Du sicher Texte finden.

  7. @MartinDanke.

  8. Ich finde, wir haben die Atomenergie im Griff. Unter Laborbedingungen.Was stört ist die Realität außerhalb des Labors.In einer Zeit, in der aus Angst vor Terroranschlägen jeder vergessene Koffer ein SEK auf den Plan ruft ist es zynisch, Kernkraftwerke als “sicher” zu bezeichnen.http://www.volkerkoenig.de/2011/03/12/seit-tschernobyl-wissen-wir/

  9. Volle Zustimmung. Kernkraftwerke sind ja nicht eigentlich schlecht. Die Idee dahinter ist toll – sagt zumindest die Werbung der Regierung… Das Problem ist nur, dass wenn was passiert, Unfälle nicht beherrschbar sind. Zudem kommt die Problematik der Halbwertszeit. Ein Tankerunfall ist schlimm, aber nach 10, 15 Jahren ist davon nichts mehr nachweisbar. Wie aber soll man man mit Zeiten von 10.000 Jahren umgehen? Stellt man sich vor, die Ägypter hätten damals ein AKW betrieben. Wir müssten heute noch damit klarkommen und hätten doch erst 4000 Jahre durchgehend Wartug und Lagerung der Reste kontrollieren müssen. Die Weitergabe von Verantwortung und Wissen selbst über Zeiträume von 50-100 Jahren stellt ja schon Herausforderungen dar, die kaum zu realisieren sind.

  10. Es gibt keinen besseren Moment als jetzt, um über Atomstrom und den Ausstieg zu reden.

  11. Unabhängig von der Einschätzung der AKW Technologie gibt es einige wesentliche Probleme bei den regenerativen Energien, die noch zu beheben sind.Regenerative Energien sind Schwankungen ausgesetzt. Nachts scheint keine Sonne, und Windtechnisch gibt es auch Flauten – wenn aber genau zu dem Zeitpunkt viel Energie gebraucht wird, werden andere Technologien benötigt. Eine Möglichkeit wäre Biogas, die zweite die Speicherung von Energie. In Deutschland gibt es aber bisher kaum Kapazitäten zur Speicherung, da hierfür riesige Speicherbecken benötigt werden, in die das Wasser hochgepumpt wird und es bei Bedarf durch ein Wasserkraftwerk wieder nach unten laufen zu lassen. Problem: Hierfür gibt es in DE nicht genügend Standorte. Die Batterieforschung wäre eine Möglichkeit, ist jedoch noch nicht soweit. Zweites Problem ist der Netzausbau in Deutschland. In Deutschland wehren sich die Bürger gegen einen Ausbau der Stromnetze, die für schwankende, regenerative Energien benötigt werden. Jeder will Ökostrom, aber niemand will einen Strommast. Ohne den Netzausbau werden aber früher oder später die Netze zusammenbrechen. Des Weiteren hier mal eine Auflistung, wie sich die 15,6% Erneuerbare Energien 2009 (BMWi) aufteilen: Wind 6,4%Biomasse 4,2%Wasser 3,2%Solar 1,0%Müll 0,6%Wir sind nun einmal kein Sonnenland – ebenfalls gehen uns die Flächen für effiziente Nutzung von regenerativen Energien aus. Nicht überall ist ein Windkraftrad sinnvoll.Ich sehe langfristig eher die Hoffnung in Konzepten wie Desertec (Solar in der Wüste) und dem regenerativen Kombikraftwerk (Vernetzung von verschiedenen regenerativen Energieversorgern um Schwankungen auszugleichen.Um es mal sehr plakativ zu sagen:Die Leute wollen keine Windkrafträder an der Küsten, weil sie das beim Urlaub stört.Die Leute wollen keine Ausbau des Stromnetzes, da es die Landschaft verschandelt.Die Leute wollen keine Kohlekraftwerke, da sie die Umwelt verpesten (es werden ja sogar Neubauten verhindert, die alte ersetzen sollen, dabei effizienter sind und nicht so dreckig)Die Leute wollen keine Kernenergie, da die Risiken zu hoch sind.Solange nicht die Bereitschaft für den Wandlungsprozess hin zu noch mehr regenerativen Energien besteht und nur ein “morgen legen wir den Schalter um und alles ist toll” Mentalität gilt, sehe ich noch einige Jahre ins Land ziehen, bis hier wirklich etwas geschieht…Beste GrüßeTobias

  12. @Tobias… es ist eben nicht alles schwarz / weiss – entweder / oder. Alternativ zu überirdischen Stromkabeln gibts auch Erdkabel. http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/%5Cwindmueller-brauchen-mehr-str

  13. Gut, dass ich Briefwahl gemacht habe und mich dem “Wahlkampf” entziehen kann. Ich freue mich auf eine atomkraftfreie Zukunft in Baden-Württemberg.

  14. @Tobias In der Tat, Desertec (als dezentral organisierte Lösung) ist auf jeden Fall wichtig. Allein deswegen sollte man sich auch jetzt sehr dafür interessieren, wie es in Nordafrika politisch weitergeht …

  15. Auch wenn besondere Bedingungen oder unvorhersehbare Ereignisse zu dem Unfall geführt haben, ist das noch lange kein Argument um zu sagen hier seien diese Gefahren nicht gegeben.Die Atomkraftwerke in Japan waren auch auf die Umstände in Japan ausgelegt, die in Europa sind auf europäische Maßstäbe ausgelegt.Außerdem zeigt der Begriff unvorhersehbar an sich schon, dass es eben nicht vorhersehbare Faktoren gibt.Nebenbei kann es auch bei uns zu einem Erdbeben kommen…auch zu einem starken, auch wenn das eine Ausnahme wäre. Aber genau von diesen Ausnahmen, auch in Japan war es eine Ausnahme, reden wir ja gerade!Dazu kommen noch andere Umweltkatastrophen, wie Stürme oder Überflutungen.Der Mensch mag unter normalen Bedingungen die Atomkraft unter Kontrolle haben, aber leider hat er die Umwelt nicht unter Kontrolle!Außerdem, selbst wenn die Technik vergleichsweise selten ausfällt, wenn es denn doch, auch nur einmal zu einem Ausfall kommt, dann sind die Konsequenzen zu groß und zu ausgedehnt, als dass man auch nur ein noch so kleines Risiko zulassen dürfte!

  16. Danke.

  17. Danke für die gute Zusammenfassung/Darstellung! Gerade Punkt 1, also der Zynismus-Vorwurf, kommt ja gerne ausgerechnet von den Atomfreunden…

  18. Obige Erkenntnisse kann man 1:1 auf das Thema Auto & Verkehr übertragen. Vielen ist klar, dass sie wertvolle, endliche Ressourcen verbrennen und nachfolgenden Generationen nie wieder gutzumachenden schaden zufügen. Jeden Tag sterben unschuldige Menschen durch “Unfälle” (laut WHO werden etwa eine Millionen Menschen weltweit durch Autofahrer getötet). Trotzdem setzt sich die westliche Welt wieder jeden Tag mit Scheuklappen in die Blechdose um ihren dicken Hintern bequem von A nach B zu transportieren, anstatt endlich Konsequenzen zu ziehen und das Auto abzuschaffen.Erstaunlich auch, dass dieses Thema von allen Umweltverbänden so gut wie gar nicht thematisiert wird. Dabei steht die hohe Zahl der Toten und Verletzten durch Autos in gar keinem Verhältnis zu der Zahl an durch Akw-Unfällen betroffenen Menschen. Gegen Atomkraft bilden die Menschen lange Menschenketten. Der tägliche Autowahnsinn in Europa wird hingegen gar nicht (mehr) wahrgenommen.

  19. § 323c – Unterlassene Hilfeleistung – Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

  20. Klasse Beitrag! Die Kraftwerkskühlung kann auch hier in Deutschland und trotz 4-facher Absicherung mal ausfallen, daher ist das Szenario sehr gut übertragbar. Die Ursachen für den Ausfall der Kühlung können vielfältig sein und sind nicht ausgeschlossen oder unmöglich.Wir müssen jetzt raus aus der Atomenergie und wir sollten dieses Unglück – so tragisch es auch ist – durchaus als Grund für eine neue Ausstiegsentscheidung bzw- -debatte heranziehen. Gute Diskussion!PS: Ich würde den Beitrag gerne mit meinem Blogthema “BHKW statt AKW” verlinken wenn das in Ordnung ist. (?)MfG HCS

  21. @HCS Na klar kannst Du verlinken, dafür haben wir doch dieses Internet. :)

  22. ABSCHALTEN wählen!guter Textguter Blog

  23. regenerative Energien… da ja nicht jeder in Österreich lebt wo die großflächige Abdeckung durch die Topographie möglich ist haben andere Länder andere sorgen…Spitzenzeiten von 30% regenerativer Netzabdeckung in Deutschland sind im Sommer erreichbar, wenn kaum Energie benötigt wird. Fallen die Temperaturen auf minus 15 Grad bezahlen die Versorger für jede kW/h bis zum 5fachen Preis des Endverbrauchers, und dann würde sich auch Österreich ohne Atomkraft nicht versorgen können (Habe bei einem entsprechenden Unternehmen gearbeitet…), um das Netz aufrecht zu erhalten. Eine rein biologische Lösung wird andere Probleme aufwerfen, aber die Atomkraftdemonstranten sind auch die, welche gegen Staudämme und für Biodiesel auf die Strasse gehen, einfach aus dem psychologischen Grundprinzip des “Nichtzufriedensseins”. Die Kompetenz welche hierfür ausgestrahlt wird zeigt schon das Beispiel von Martin Ötting das Problem einfach mal nach Afrika outzusourcen. Wenn wirklich jemand etwas ändern will, dann soll er bei sich anfangen, die Zimmertemperatur runterdrehen, drei von vier Glühbirnen im Wohnzimmer rausnehmen, den Kühlschrank voll halten, zu Fuß gehen und und und…Doch solange verschwendet wird ist die Diskussion um Erneuerung hinfällig. Grundsätzlich ist Akzeptanz für Atomkraft erforderlich solange wir dem Hedonismus fröhnen. Ein Ausstieg wird nur möglich wenn wir einsparen und das so einschneidend, das dies weh tut, für ein solches Opfer bereit zu sein, wird allerdings niemand verlangen. Wir sind Verschwender und Atomenergie ist der Preis und unsere Bürde.

  24. Ich stimme deinen Argumenten in deinem Posting absolut zu und auch ich stehe der Atomkraft skeptisch gegenüber und bin ebenfalls für einen sehr viel schnelleren und konsequenteren Ausbau der regenerativen Energie.Ein Aspekt bleibt jedoch unberücksichtigt. Dies alles geht nur dann, wenn wir auch einen Paradigmenwechsel vornehmen – weg von der “Höher, schneller, weiter” Philosophie, die uns bestimmt. Das bedingt Rückschritte in verschiedenen Bereichen und kommt einer Revolution gleich, wenn unser Wohlstand nicht mehr wächst, wenn der Status Quo bestenfalls das Maß der Dinge ist. Ansonsten ist es immer das Rennen zwischen Hase und Igel. Mehr Wachstum bedeutet zwangsläufig mehr Energieverbrauch und die soll ja schliesslich irgendwo herkommen, günstig sein und unserern Wohlstand mehren bzw. in anderen Ländern erst ermöglichen.Diesen Gedanken wollte ich mal in die Runde werfen und den Anfang kann jeder selber machen , wie der Vorkommentattor geschrieben hat.

  25. Das hätte ich jetzt gerne geflattred ;) !Schön kompakt gesagt!

  26. Meine Meinung,jeder darf doch seine äussern…,oder,ihr seid doch sozial….:In Japan ist das entstandene Probleme auf eine natürliche Ursache zurückzuführen,eine Verkettung natürlicher Urgewalten,die in diesen Regionen vorherrschen.Atomkraftwerke an sich sind sicher.Und wer meint,er habe Ahnung,kann sich gerne als Berater bei mir melden!Viele Grüsse aus Geesthacht.

  27. PC aus,und auslassen! Ihr Schlaumeier!

  28. Das ist was der Bürger will: legt Mappus, Röttgen, Merkel still!!!!Nicht erst warten bis wir leiden. Der Bürger will jetzt mitentscheiden!!!!Atomkraft -Lobby – Regierungshobby!!!!!

  29. Den aktuellen Unfall, der mit Deutschen Maßstäben in keiner Weise vergleichbar ist, jetzt auf biegen und brechen mit Deutschland in Verbindung bringen zu wollen und dabei das Leid der Japaner als “Zugpferd” zu nutzen, ist in der Tat schon sehr zynisch. Wo bleiben die Mahnwachen gegen Tsunamis? Denn der ist ja Schuld an der Panne.

  30. @Winston Smith Das ist ein Witz, oder? Den Teil “Naturkatastrophe” muss man hinnehmen. Wir sind Menschen, den Naturgewalten ausgeliefert. Den Teil Atomkatastrophe muss man nicht hinnehmen. Der ist menschengemacht und wir können uns dagegen entscheiden.

  31. @Winston Smith: Sollte man nicht auf beide Katastrophen entsprechend reagieren? Ist ja nicht so, dass nur über das Atomkraftwerk berichtet wird.Außerdem bringt eine Mahnwache gegen Tsunamis nun wirklich überhaupt nix. Der nächste Tsunami schert sich nicht darum, ob Leute auf der Straße eine Mahnwache halten. Da sollte man lieber Spenden, was auch an vielen Stellen gemacht wird.Politisch kann man dagegen was mit Mahnwachen erreichen…also ist diese Maßnahme bei Atomkraft wohl die richtige Wahl.Und was ist daran bitte falsch auch aus den Fehlern anderer Länder lernen zu wollen?

  32. @Martin: Ganz genau. Gegen solche Naturkatastrophen kann man nichts machen. (Wobei das Erdbeben an sich dem Reaktor nichts anhaben konnte.) Außerdem kommen diese eben nur in Japan und nicht bei uns vor. Daher kommt ja auch der Vorwurf des Zynismus. Hier werden zwei Naturereignisse, wobei eines keinen gefährlichen Schaden angerichtet und das zweite bei uns niemals vorkommen wird, als Anlass benutzt, hier in Deutschland den GAU an die Wand zu malen.

  33. Über den Punkt des Zynismus kann man streiten, aber eine gewisse Naivität kann man den Gegnern doch nicht absprechen (Einwurf: der zweite Punkt im Post sollte nicht “Realismus” sondern “Naivität” heissen, weil das doch der angebliche Irrtum ist). Die Naivität bezieht sich dabei meines Erachtens vor allem in Bezug auf regenerative Energien, denn diese sind auch nicht immer das Gelbe vom Ei.Wind- und Sonnenenergie sind beispielsweise extremen Schwankungen unterworfen, eine Planung mit diesen ist also schwer bis unmöglich. Theoretisch braucht also jeder einen großen Pack Batterien, damit er im Winter abends noch warm duschen kann. Diese Batterien sind aber pure Chemie. Als Alternative gibt es den etwas wahnwitzigen Plan, dass der Strom von Sonnenkollektoren in Afrika erzeugt, von dort in den hohen Norden geschickt und in Pumpspeicherstationen “zwischengelagert”, und dann bei Bedarf nach Deutschland geschickt wird. Regenerativ ist diese Energie. Aber umweltfreundlich? Und sind wir dann nicht wieder in einer neuen Form des Kolonialismus? Werden dann Kriege nicht mehr um Öl, sondern um die Sonne geführt? Und was, wenn ein neuer Despot an die Macht kommt, und die Leitungen einfach in Afrika kappt? Und wie schaut es mit Biomasse aus? Irgendwann sind da die Grenzen auch erreicht, weil einfach nicht mehr pro Jahr nachwächst. Oder werden dann einfach die Wälder gerodet? Mit regenerativen Energien scheint man fast alles machen zu dürfen, da sie eben regenerativ sind. Dass sie damit automatisch umweltfreundlich sind ist ein ganz anders Thema. Gibt es schon Studien über die Auswirkungen der Solarkollektoren auf das Klima? Wenn die Menschheut im großen Stil die Sonnenenergie in elektrische Energie umwandelt, dann fehlt diese Wnergie natürlich im Klima. Weiss da schon jemand etwas? Und überhaupt: kann man wirklich einfach so die Atomkraftwerke in Deutschland komplett abschalten? Wo soll der Strom dann herkommen? Wir haben etwa zehn Jahre gebraucht, um auf die 10 bis 17 Prozent zu kommen (je nach Rechenart; die 30 Prozent im Post sind reine Augenwischerei). Selbst wenn das Wachstum heute doppelt so schnell wäre dann bräuchten wir immer noch vier bis fünf Jahre. Wird das von den Gegnern von Atomstrom akzeptiert? Oder sollen wir sofort abschlaten und dann einfach den Strom aus Frankreich einkaufen? Der wäre zwar auch aus Atom, aber wenigstens nicht aus Deutschland.Ach ja, überhaupt ist diese “Haustür-Mentalität” stark verbreitet. Offshore-Windanlagen auf dem Meer müssen sein, die Stromleitungen dazu aber bitte nicht. Der Atom-Müll ist so lange egal, wie er in Hallen in Frankreich lagert, aber sobald er nach Deutschland zurückkommt ist die Hölle los. Die Welt kann vor Atomanlagen nur so strotzen (anscheinend werden fast 50 neue Anlagen im Moment geplant oder gebaut), solange diese nicht vor der eigenen Haustür stehen, ist es vielen egal.Wie sieht es mit stärkeren und eingreifenderen Projekten aus? Würden die Atomkraftgegner es gestatten, dass der Rhein alle paar Kilometer gestaut wird für neue Wasserkraftgeneratoren? Oder dass landwirtschaftliche Nutzflächen mit Solarzellen zugestellt werden und das Getreide dann aus China kommt? Oder dass mehr Windräder hingestellt werden, auch hinter die Gärten der Gegner selbst?Und wie schaut es überhaupt mit den Autos aus? Was wird gemacht oder soll gemacht werden, wenn ein Großteil der Automobile elektrisch fährt? Wo soll der Strom dann herkommen?Das sind alles Fragen die gestellt und auch diskutiert werden müssen. Atomstrom ist nicht die Lösung, aber eine rosarote Brille bei regenerativen Energien hilft auch nicht wirklich weiter.

  34. @Winston: Ich glaube, es geht um noch etwas anderes. In der Tat, die Sache in Japan ist Anlass. Aber der Grund für die Vehemenz, mit der auf dieses Thema hierzulande jetzt angesprungen wird, liegt in dem maßlosen und verstörenden Gefühl der Ohnmacht, dass die unzähligen Atomkraftgegner in diesem Land befallen hat, als die aktuelle Koalition den Atomausstieg wieder rückgängig gemacht hat. In einem Verfahren, dass mindestens ein Gechmäckle hatte. Das hat unglaublich viele Leute unglaublich wütend gemacht. Dass ihnen jetzt, vielleicht in nur scheinbarer Weise, eine schlimme Katastrophe recht zu geben scheint, entlädt sich in massiver Weise. Und ich finde: zu recht.@Cronos: Mir scheint, dass Deine Kenntnisse vom Desertec-Projekt diesem nicht wirklich gerecht werden. Gerade die politische Komponenten und das *Verhindern* von Kolonialismus ist ein wichtiger Kern der Überlegungen.Die 30% im Post habe ich von Zahlen des Fraunhofer Instituts.

  35. Besonders Punkt 3 kann ich ohne Einschränkungen unterschreiben.

  36. @Cronos Und was sind Deine Lösungen und Alternativen? Was aus Deiner Sicht *nicht* geht hast Du ja gut erläutert.MfG

  37. @AtomkraftbefürworterIch gebe zu bedenken das es weltweit nicht eineinziges “SICHERES” Endlager gibt!!!Und wenn nicht bald eins gefunden wird (und danach sieht es nicht aus!),dann könnt ihr euch ausrechnen,wie viele Tonnen,tausende von Jahren strahlender Müll,da in den nächsten Jahrzehnten (dabei rede ich nur von den deutschen AKWs) da so zusammen kommt! Wenn man beginnt mit so einer Technik zu arbeiten und nicht be-denkt wohin mit dem Müll,dann brauchen wir über das Thema gar nicht weiter diskutieren! So etwas finde ich naiv!!! Es sei denn ihr seid der Meinung das die “KRÖNUNG DER SCHÖPFUNG” bis dahin eh diesen Planeten platt gemacht hat!

  38. Ganz Nebenbei sind wir mit unserer Technologie schon heute soweit, dass wir 90% aller existierenden Häuser umrüsten und die Neubauten entsprechend ausrüsten können, dass sie keinen oder nur ganz wenige Cent mehr an die Stromlobby bezahlen müssten. Das würde einen geschätzten Umsatzeinbruch von ca. 3 MILLIARDEN Euro monatlich bei ca. 30 Millionen Haushalten für die großen Konzerne bedeuten. Das ist der einzoige Grund, weshalb sich die Stromkonzerne gegen die erneuerbaren Energieerzeuger wehren. Die Aktien dieser Banditen wären auf einen Schlag wertlos.

  39. Zwischen den Reaktorunfällen der Ukraine und Japan liegen 25 Jahre. Wir Deutschen klagen das Atomenergiekonzept sofort und lauthals an. Wie viel Deutsche in Deutschland starben daran? Null. Wie viele Deutsche starben in diesen 25 Jahren im Straßenverkehr? 130.000 und darüber regt sich kein Mensch auf. Damit wäre alles gesagt, oder?

  40. @Thomas. Nein. Das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun. An Kriegen, Malaria, AIDS, Hausunfällen, herunterfallenden Klavieren und anderen möglichen und unmöglichen Unfällen sterben ständig tausende … Millionen Menschen.Aber wir diskutieren grade die Risiken und Probleme, die mit der Atomkraft zusammenhängen. Wenn Du ein anderes Thema diskutieren willst, dann ist das sehr willkommen. Es wäre sicherlich richtig, mal das Thema Straßenverkehr vernünftig anzupacken. Leg los, mach eine Bürgerbewegung draus. Aber hier geht es – wie gesagt – um ein anderes Thema.

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