Dank Tesla habe ich endlich verstanden, warum Apple Autos bauen will.

Vor gut zwei Wochen hatte ich die Gelegenheit, einen Tesla Model S zu fahren. Frank Roebers von Synaxon gab mir dankenswerter Weise die Möglichkeit, er fährt ein Model S 85 und lud mich ein, mal für eine Probefahrt vorbei zu kommen. Mein Vater, ehemaliger Entwicklungsbereichsleiter bei VW, kam ebenfalls mit.

tesla oetting roebers

Es war ein sehr interessanter Tag — nicht nur, weil wir über das Auto sprachen, sondern auch, weil es großen Spaß macht, sich mit Frank zu allen möglichen Dingen auszutauschen — über seine Arbeit und das Unternehmen, über den Umgang mit Aktionären in einem börsennotierten Unternehmen, oder auch über Fragen zu Umwelt und Nachhaltigkeit. Aber schließlich ging es dann um’s Auto und darum, eine Runde zu drehen.

Was im Gespräch deutlich wurde: ein Tesla Model S zu fahren, ist heute nicht mehr das versponnene teure Hobby von wohlhabenden Leuten, die spaßeshalber Ökogedankenspiele betreiben. Das war vielleicht zu Zeiten des Tesla Roadster noch so. Heute ist ein Model S eine ziemlich komplette funktionierende Mobilitätslösung, die emissionsfreies Autofahren quer durch Europa ermöglicht. Das Auto bietet bequem Platz für vier Personen, es ist mittlerweile auch ganz ordentlich verarbeitet — nicht dieselbe Qualitätsanmutung, die es beispielsweise bei Audi gibt, aber es passt. Tesla bietet 8 Jahre Garantie auf alle Teile. Die Reichweite liegt, je nach Modell, bei 280 bis 380 echten Kilometern. Das Fahrerlebnis ist souverän, unaufgeregt, schnell und — natürlich — leise. Was aber noch viel entscheidender ist, kann man am Auto selbst gar nicht sehen. Es ist das sogenannte Tesla Supercharger-Netzwerk.

Relativ heimlich, schnell und leise hat Tesla in den letzten Jahren den Ausbau des eigenen Schnellladenetzes vorangetrieben und stellt mittlerweile die absolut praxistaugliche Möglichkeit bereit, von Schottland bis Rom, von Berlin bis Barcelona allein elektrisch angetrieben unterwegs zu sein. Und die weiteren Pläne sehen einen weiteren zügigen Ausbau des Netzes quer durch Europa vor. Frank erklärte uns, dass dies auch nicht nur theoretische Idee sei, sondern dass sein Auto-Alltag genau auf Basis dieses Mobilitätskonzeptes funktioniert. Er kann seine sämtlichen Autoreisen durch Deutschland ohne Probleme mit dem Tesla absolvieren. Es bedarf nur einer kleinen Anpassung der Reisezeiten und der Reiseplanung, und schon ist Elektromobilität auch außerhalb von Ballungsräumen und über längere Entfernung kein Problem mehr.

Um zu verstehen, warum die Tesla-Supercharger so wichtig für das Funktionieren dieses Systems sind, muss man wissen, dass ein Auto, das echte 340 km weit mit einer vollen Ladung Strom fahren kann, bei leer gefahrener Batterie an einer normalen Haussteckdose ungefähr 30 Stunden lang aufgeladen werden müsste, um wieder ganz voll zu sein. Das klappt also nur, wenn der Wagen ein Wochenende lang an der Steckdose in der privaten Garage stehen kann. Wenn man sich allein darauf verlassen muss, funktioniert es nicht mit der Elektromobilität — zumindest nicht für lange Strecken. Bei Tesla setzen hier die Schnelllader an. Sie können das Auto in einer halben Stunde bis zu 80% der Batteriekapazität wieder aufladen und sind strategisch so verteilt, dass quasi jede Strecke in den abgedeckten Ländern in den notwendigen Abständen die Schnelllader anbietet. Das Laden an diesen Tesla-exklusiven Säulen findet dabei für den Tesla-Eigentümer komplett kostenlos statt! Es ist im Preis des Autos sozusagen inbegriffen! (Gut, manche übertreiben es, da gibt es natürlich Grenzen …) Der Bordcomputer mit GPS im Auto berechnet dabei nach Angabe von Start und Ziel aufgrund des aktuellen Batterieladezustandes die Strecke, die man nehmen sollte und die Ladezeiten, die man einkalkulieren muss, um dahin zu kommen, wo man hin will.

tesla_armaturen

Dazu sollte man zuhause auch eine (Starkstrom-)Lademöglichkeit haben, aber mit ein wenig Improvisieren ließe es sich sogar ohne das lösen, denn hier und da gibt es mittlerweile immer mehr öffentliche Ladesäulen, die man nutzen kann — und dazu eben die Supercharger.

Vielleicht noch kurz ein Satz zur Bordelektronik. Jeder Tesla hat eine eingebaute mobile Online-Verbindung. Sobald es aktualisierte Software für das Fahrzeug gibt, wird sie mobil heruntergeladen. Damit ist das Auto quasi automatisch immer auf neuestem Stand. Und es lernt, wie Leute das Fahrzeug verwenden und kann so dem Unternehmen ermöglichen, die Software und auch das Fahrzeug immer besser auf die Anforderungen der Besitzer anzupassen.

Zusammen genommen wird klar, dass individuelle Elektromobilität über lange Strecken nur in Kombination aus drei Elementen funktioniert:

  • Extrem leistungsfähige Batterien
  • Sehr leistungsfähige Bordelektronik
  • Ein extrem leistungsfähiges Ladenetz

Und jetzt stellt sich die Frage, was deutsche Autohersteller bei diesem Dreiklang eigentlich noch zu bieten haben? Welcher deutsche Hersteller hat wirklich Batterie-Know-How? Welcher deutsche Hersteller hat eine echte Software- und Computer-Kompetenz? Von Ladenetzen ganz zu schweigen.

Je intensiver ich mich mit dem Auto beschäftigt und darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, wie “leer” diese Elektroautos eigentlich sind. Der Tesla Model S hat vorn und hinten Kofferraum! Da ist einfach viel weniger Technik drin als in einem Auto aus Wolfsburg, Stuttgart oder München. Es geht eben wirklich nur noch um den zentralen Bordcomputer und die Batterien. Der Rest wird Nebensache.

Guckt Euch das Grundgerüst des Fahrzeugs an, so, wie man es im Tesla-Laden in München bestaunen kann. Da ist nichts mehr drin! Hier sieht man Motor, Batterien, alles, was am Auto teuer ist.

tesla_technik

Ein gutes Fahrwerk kann man heute bei Zulieferern einkaufen. Frank sagte, dass das Fahrwerk im Model S quasi mit dem des BMW 5er identisch sei, bei denselben Zuliefern eingekauft. Ebenso wie der andere Kleinkram, den man rings um ein Auto so braucht. Den Innenraum, die Sitze, etc. richtig zu konfigurieren und zu bauen, lernt man als Unternehmen binnen weniger Jahre. Das einzige, was die klassischen Auto-Hersteller wirklich können, was ihren großen Vorsprung heute noch ausmacht, ist es, dass sie souverän die wirklich komplexe Aufgabe meistern, die anfälligen, lauten, schweren Verbrennungsmotoren heute — nach hundert Jahren — zur absoluten Perfektion zu beherrschen. Das — und das allein! — ist es, was den Vorsprung grade der deutschen Autobauer ausmacht.

Was aber, wenn diese Fähigkeit schlicht bedeutungslos wird — zumindest für die Autos, die aus Emissionsgründen elektrisch betrieben werden?

Und damit komme ich zu Apple: ich dachte in den letzten Monaten immer, dass es eine alberne Idee zu sein scheint, wenn Apple nun Autos bauen will. “Wie sollen die all diese komplexe Technik beherrschen lernen, die die ‘richtigen’ Autokonzerne in all den Jahrzehnten aufgebaut haben?” habe ich mich immer gefragt. Nachdem ich mir Franks Tesla angesehen und verstanden habe, dass ein Elektroauto mechanisch so viel einfacher ist, habe ich es endlich begriffen: die Zukunft des Autos erfordert nicht die Kompetenz, die es allein bei den klassischen Autoherstellern gibt. Sondern sie erfordert die Kompetenz, mit der sich das Silicon Valley einen Namen gemacht hat — Batterien, Soft- und Hardware. Apple hat Milliarden auf der hohen Kante und sucht nach neuen Geschäftsfelden. Warum also nicht?

Und deswegen ist mir nun endlich klar, dass in Wolfsburg, München, Ingolstadt und Stuttgart umgedacht werden muss. Sonst sind hierzulande 1,4 Millionen Arbeitsplätze in großer Gefahr.

Ich selbst will auf jeden Fall Teil dieser Revolution sein. Und damit mithelfen, auf die deutschen Hersteller Druck auszuüben. Damit sie von ihrem Arsch runterkommen und endlich neu denken. Ich bin im VW-Land geboren und aufgewachsen, ich hätte mir lange nicht vorstellen können, etwas anderes als Autos aus dem VW-Konzern zu fahren. Aber der Tag rückt näher, an dem ich ein amerikanisches Auto fahren werde.

 

Nachträge: im Zuge der erfreulichen Resonanz auf Twitter zu diesem Text heute habe ich unter anderem von @netzfischer Hinweise auf folgendes erhalten:

Und schließlich erinnerte @MarkusvonRoder auch an das autonome Fahren, das ich im Text gar nicht erwähnt hatte. Auch da ist Tesla allen anderen weit voraus. Denn die entsprechende Hardware wird bereits heute in allen Autos eingebaut. Denn es ist ja klar, dass die Software-Unternehmen, die Gesichtserkennung und Maps bauen, auch bestens dafür ausgerüstet sind, Software zu entwickeln, die Autos durch den Verkehrsfluss leitet — vermutlich wieder mit deutlichem Vorsprung gegenüber den deutschen Herstellern.

Nachtrag 9.9.2015: Auf Facebook wies dankenswerter Weise Benjamin Nickel auf diesen sehr kompletten Text hin, der das gesamte Thema deutlich umfassender behandelt. Da sieht Tesla letztlich nicht sehr gut aus, weil die Annahme getroffen wird, dass alles zu automatisch gesteuerten Systemen wechselt, bei denen das einzelne Auto und dessen Attraktivität kaum mehr eine Rolle spielen.

Nachtrag 2.11.2015: Ich bin mittlerweile selbst Tesla-Fahrer — hier meine Erfahrungen der ersten Woche, die mich mit dem Auto bis in die Toskana gebracht haben.

Kommentare

  1. Hallo Martin,

    Mercedes hat seine Beteiligung im letzten Jahr abgegeben – die Controller haben wohl gedacht, daß man nach der Börsenrallye nun die Gewinne mitnehmen sollte. ;-)
    Es gibt aktuell nur noch die Kooperation für eine B-Klasse mit Tesla Technologie (Sports Tourer B 250 e -> Steuerung und Elektromotor von Tesla). http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/mercedes-b-klasse-mit-tesla-technik-auf-elektrischer-verfolgungsfahrt-a-941505.html

    Was das autonome Fahren angeht, so kann man aktuell schwer sagen, ob sie den Platzhirschen voraus sind, schließlich haben alle Hersteller sehr zuverlässig funktionierende Technologieträger auf den Straßen. Dennoch traut sich noch keiner wirklich, diese Technologie anzubieten, weil Versicherungs- und ggf. auch Moralfragen noch nicht geklärt worden sind.

    Nach meiner Einschätzung wird Tesla in absehbarer Zeit damit vorpreschen und ggf. das Risiko selbst oder aber über Rückversicherer stemmen…

    Viele Grüße,
    Ulrich

    • Hi Ulrich, ja, das denke ich auch. Da alle nötige Hardware bereits im Auto verbaut ist, handelt es sich letztlich “nur” um ein Software-Update (für 3.300 EUR ;) ), und ich bin sicher, dass sie begrenzt Leute dazu einladen werden, das zu testen. Danke auch für die Information und den Link zur B-Klasse!

  2. Abwarten!

    Tesla verliert mit jedem verkauften Auto Geld.

    Autonomes fahren und auch e-Mobilität ist bei den deutschen Hersteller schon 10+ Jahre in der Erprobung – bloß wirft man a) nicht ein halb funktionierendes Produkt auf den Markt – nicht bei dem Qualitätsanspruch der Kunden an die Marken und b) läuft das Geschäft mit Verbrennungsmotoren noch (zu) gut für diesen großen Schritt.

    Der Umstieg auf Elektro Mobilität wird, auch unabhängig von US- bzw. nicht US-Herstellern, Arbeitsplätze abbauen. Das ist aber nicht schlimm.

    Der erste heavy duty truck in USA der zugelassen als autonomer Transporter läuft, kommt im übrigen von einer Mercedes Tochter. In Amerika fahren weit aus mehr Leute Trucks als bei uns in der Automobil Branche arbeiten.

    Also etwas mehr Gelassenheit bei dem Thema deutsche Automobilhersteller :)

    • Dass Tesla noch keine Gewinne macht, darf nicht verwirren: Amazon hat ewig lange keinen Cent verdient, weil das Unternehmen seinen Anteilseignern / Aktionären immer den Langzeitplan vermittelt hat, den Handel wirklich in der gesamten Welt zu revolutionieren. Und das braucht langen Atem und viel Investment. Das sehe ich bei Tesla genauso. Und die Aktionäre auch.

      • Ich denke schon das die deutschen Autobauer in der Lage sind gute e-autos zu bauen. Aber sie verdienen damit kein Geld…Profit machen sie mit Verbrennern. Also werden sie solange damit warten bis der Druck zunehmen wird. Da dies z.Zt. nicht da ist packen die ihre e-autos auch nicht aus.

        Warum sollen sie sich intern Konkurrenz machen und dann noch mit Produkten an denen sie kein Geld verdienen ?

        Es wird dann spannend und eng für die deutsche Industrie wenn es Unternehmen wie apple und google gelingt gefahrene km abzurechnen…..
        Dann ist der Profit am PKW nicht dort wo Gewinn gemacht wird, sondern an der gefahrenen Strecke.

        und wenn dann noch die flatrate kommt – für sagen wir mal – 200km/Woche …….

        Die Jungs aus Kalifornien werden nix am Auto verdienen, was sie auch gar nicht wollen und können, sondern an den Zusatzdiensten….vielleicht steigt man in sein Car2Go und bevor man losfahren kann kommt erst mal 1 Minute Werbung im Tesla Bildschirm…

        Der Fußball in England wird von Sky finanziert und nicht von den Zuschauern im Stadion….

        Die deutsche Autoindustrie hat schlaue Köpfe….aber die Strukturen sind star und nicht flexibel….wollen wir hoffen das man sich der “Gefahren” und Chancen bewusst ist

  3. Interessant. Wie ist denn die Einschätzung/ Meinung Deines Vaters?

    • Er fand das Fahrzeugkonzept und die gesamte Idee überraschend überzeugend. Bis zum Termin war er eher Skeptiker, danach hat er gesagt, dass Tesla mit dem Fahrzeug und der Ladeinfrastruktur in der Tat eine nutzbare Lösung anbietet. Kritik gab’s von ihm für die Verarbeitung und Anmutung. Da hat der VW-Konzern in den letzten zehn Jahren ja in der Tat einen enormen Schritt nach vorn gemacht, und hier müsste Tesla aus seiner Sicht noch aufholen. Ich fahre aktuell einen zehn Jahre alten Audi A2, der aus meiner Sicht auch schon einen sehr guten Eindruck macht, und da sehe ich keinen Unterschied.

  4. warum Apple Autos bauen will.

    Der Hauptfehler bereits in der Überschrift. Apple wird keine Autos bauen wollen, die wollen Autos verkaufen. Das ist ungefähr baugleich der Situation auf dem nicht-existierenden Smartphonemarkt ~2003-2006 als es (und da ist die Siemens Mobilephones Pleite nicht ganz unschuldig) plötzlich möglich wurde in der Theorie Smartphones zu bauen OHNE die Funk- und Protokolltechnologie im eigenen Haus pflegen zu müssen.
    Und so kann man heute ein -funktionierendes- Fahrwerk von der Stange kaufen und so etwas wie ein Auto bauen ohne das Hauptproblem, wie bleiben eigentlich die 4 Räder immer auf der Fahrbahn selber lösen zu müssen.
    Und Apple wird nicht ohne Not anfangen eine Autofabrikation zu gründen, die werden ein white-label Auto von der Stange kaufen, selber ein bisschen SW (die übrigens auch erstaunlich oft zugekauft ist) und den großen Apfel aufkleber spendieren.

    • Okay, streng technisch gesehen hast Du recht, Apple baut ja auch keine Computer. Aber wenn ich so einen Titel wähle, dann meine ich natürlich, dass Apple als Anbieter von Autos auftritt. Wer sie am Schluss fertigt, ist bei Autos ja eh immer unklarer. Ein Twingo läuft auch als Smart Forfour vom Band, und was VW auf der Plattform des Golf macht, ist eh mittlerweile völlig unübersichtlich.

      • Ich hab oft technisch gesehen recht, da ich ja aus der Technik komme…

        Mein Hauptpunkt ist, es ist durch die Entwicklung die die Autohersteller seit Jahren bis Jahrzehnten (Bosch und ZF gibt’s jetzt nicht erst seit gestern) antreiben eben der Einstieg neue Autos zu bauen die funktionieren weit, weit heruntergesetzt worden.
        In solche Lücken springen US Unternehmen gerne und sind sehr gut darin sich als Innovator zu verkaufen, obwohl sie eigentlich Fast Follower sind.

        Ich bin nur loose (über den Mobilfunkaspekt) an die Autoszene gekoppelt, aber auch da bekommt man mit, das die US Unternehmen Know-how oder gleich Technik oder Vorprodukte einkaufen, die sie eben selber nicht haben.

        Es pfeifen ja auch Spatzen von den Dächern, wer denn auch schon mal angefangen hat über Zusammenarbeit (white-label etc.) zu sprechen.

        Generell hab’ ich aber den Eindruck, dass sich wiederholt, was auch schon in der klassischen Computerindustrie und der Telephonbranche zeigte: deutsches (oder europäisches) können wir konsequent schlecht geredet, weil’s die Amerikaner ja besser können! (Oder bessere Medienmacht haben.)

        Die verteilten Schnellladestationen hab’ ich irgendwann mal in einem Daimlervortrag in den späten 90er gesehen…

        • Dass die Amerikaner als “Fast Follower” bei neuen Technologien stark sind, finde ich interessant als Gedanken. Aus meiner Sicht spielt bei all dem halt auch die entscheidende Rolle, mit welcher Lösung man wann und vor allem *wie* (=Marketing) am Markt ist. Und da sind sie oft einfach besser. Ich habe mich jahrelang darüber geärgert, dass ich wusste, dass irgendwelche Technologien in deutschen Autokonzernen schon lange bekannt und in der Erprobung waren, dann aber bei japanischen (=Hybrid) oder US-Firmen am Markt gefeiert werden. Mein Vater hat mir von selbstfahrenden Autos bei VW in den 80er Jahren erzählt. Wer wird damit öffentlich gefeiert? Google vor wenigen Monaten.

          Aber es hilft nicht, da rumzujammern — letztlich ist nicht entscheidend, wer wann was schon mal gekonnt oder in einer Präsentation gesagt hat. Entscheidend ist, wer wann was *MACHT*. Und da sind die Deutschen leider allzu häufig besser darin, an einer Sache grübelnd rumzumosern, weil sie irgendeinem Ingenieursideal von der perfekten Lösung nicht entspricht, während die Amis sie dann halt mal auf den Markt werfen. Getreu der Software-Devise “first ship, then test.”

          Genau so war das bei Tesla. Der Roadster war der (extrem smart verpackte) Versuchsballon.

          Immer alles besser gewusst zu haben, ist kein Garant dafür Erfolg zu haben. Man muss es auch wirklich machen.

          • Dass Macher fehlen wird ja an einigen Stellen kritisch betrachtet…

            Man sollte aber nicht dem Fehlschluß anliegen, weil die US Unternehmen “Es Machen”TM, könnten sie es auch.

            Es gibt da sowohl ein gewisses nach oben blicken der Europäer und ein nach unten blicken der USA, und die haben nun wahrlich kein Interesse, das sich das ändert.

    • ich denke nicht das apple autos verkaufen will ….das ist denen egal, die werden das auto nur als vehicle benutzen ihre dienste zu verkaufen….und dann werden die das notwendige übel “auto” ohne margen kalkulieren…und dann kommen die probleme auf die deutschen autobauer zu

      • Das ist ja üblicherweise nicht die Art von Apple. Die sind stark in Hardware. (Die sie selbst entwickeln aber nicht selbst fertigen.)

  5. wenn durch E-Mobilität die CO2 Emissionen reduziert werden sollen dann müssen wir auch dafür sorgen, dass wir in Zukunft nicht auf fossile Energieträger für die Stromproduktion setzen, sonst wird da nix draus:
    http://goo.gl/mgCd82

    aber vielen Dank für den Artikel

    • Natürlich. Ohne das hat es alles keine Sinn. Und deswegen setzt Tesla ja auf regenerative Energien. Der entscheidende Punkt ist aber dieser: Elektrofahrzeuge kann man mit Strom aus Wasserkraftwerken, aus Solaranlagen, aus DESERTEC-Strom aus der Wüste, aus welcher guten Energiequelle auch immer befeuern. Verbrenner werden IMMER etwas verbrennen, was dann CO2 in die Atmospähre befördert. Wir müssen deswegen zumindest größtenteils auf E-Autos setzen müssen, sonst lässt sich das Problem nicht lösen. Selbst dann, wenn heute noch nicht aller Strom sauberer Strom ist.

    • das mit den erneuerbaren energien …..hier eine interessante Stellungsnahme:

      http://www.eco-world.de/scripts/basics/econews/basics.prg?a_no=30399

  6. Weil ich schon ein paar Jahre in den USA lebe und erst einmal ein von Ameirkanern verwurstetes europäisches Auto mein eigen genannt habe (ein Saab Cabrio, dem man den schlechten Einfluss des einstigen Saab-Besitzers General Motors überall anmerkte), würde ich gerne noch einen anderen Gedanken beisteuern. Klar, Tesla dokumentiert einen sehr konsequenten, nach vorne weisenden Plan. Ich bin vor allem von der Batterietechnologie begeistert. Aber eines werden die Amerikaner nie mehr mehr lernen: Autos so bauen, dass sie den hohen Ansprüchen von klugen Verbrauchern genügen. Die billigen Autos, die sie machen sind eben vor allem eines: billig. Und die teuren halten im Vergleich mit den in Deutschland gesetzten Standards nicht mit. Habt ihr euch schon mal gefragt, warum ihr nie von Opel und Ford (in Köln) redete, wenn ihr von deutschen Autofirmen sprecht? Richtig. Weil ihr braintrust amerikanische ist und null innovative Kraft besitzt. Nun projiziert das mal bitte auf die gesamte amerikanische Autoindustrie und dann wisst ihr, dass Tesla selbst in den USA einen ultraschweren Stand hat. Ich mache mir keine Sorgen, dass die Entscheidungsträger bei VW (zum Beispiel) die Sache mit den Elektroautos schleifen lassen. Ich habe die Fabrik gesehen, die man in Chattanooga gebaut hat. Wenn die US-Firmen solche Fabriken hinbekommen, sollten wir mal wieder reden.

    • Ich bin absolut einverstanden, was die “großen Drei” Autohersteller betrifft. Katastrophe. Vor allem halt, weil ihnen die amerikanischen Kunden das durchgehen lassen. Meinem Eindruck nach aber hat sich Tesla ganz klar vorgenommen, hier anders zu sein. Ich bin sicher, dass der nächste Tesla in Bezug auf die Qualitätsanmutung einen ordentlichen Sprung nach vorn machen wird.

      • Ja. Es gibt eine ziemliche Wechselwirkung in den USA zwischen Autoherstellern und Autokäufern. Ausgeprägt in zwei Varianten. An den beiden Küsten stehen Importmarken hoch im Kurs. Aber weil in der Mitte, in Flyover-Country, noch genug leben, mit denen die Firmen in Detroit gut über die Runden kommen, richtet sich die großen Drei daran aus. Es ist das leichtere Geschäft. Innovation ist schwer.
        Tesla kämpft damit gleich an zwei Fronten: gegen die, wenn man so will, uramerikanische Kultur im Landesinnern und gegen die Import-Fans, die Ansprüche an Qualität und Statusprojektionen haben. Und das wird auch so bleiben.
        Solange Tesla dabei alleine kämpft und keine gut sortierte Modellpalette hat, wird sich meiner Meinung nach gar nicht so viel ändern. Es wird wirklich erst dann interessant, wenn Unternehmen wie, sagen wir mal Apple, ebenfalls in den Markt mit Elektroautos eintreten.
        Sollte das passieren, werden die Kisten vermutlich allerdings gar nicht im großen Stil in den USA gebaut, sondern in Ländern wie China. Und in dem Moment verschieben sich automatisch ganz viele der gegenwärtigen Markt-Parameter: Kosten. Verkaufspreis. Vertriebskanäle.

        • Je mehr ich die Diskussion zu diesem Thema erlebe, die sich um diesen Blogpost hier und auf Facebook gebildet hat, desto mehr habe ich das Gefühl, dass wir in den nächsten zehn Jahren wirklich einen unglaublichen Wandel erleben werden.

          Ich denke, dass es Tesla gelingen wird, eine Kombination aus “Made in USA” UND Qualität wie aus Europa hinzubekommen. Und ich vermute, dass das auch deren Ziel ist, denn das, was Sie über den US-Markt schreiben, wird denen auch aufgefallen sein. Wie sie kostenseitig mit einem in China (?) gebauten Apple-Fahrzeug konkurrieren werden können, das ist eine interessante Frage. Aber andererseits ist die Frage eben auch, ob Apple und Tesla überhaupt in derselben Kategorie antreten wollen?

  7. Wirklich gute Frage: Apple und Tesla in derselben Kategorie? Ich würde das mal schnöde auf zwei ganz simple Kategorie herunterbrechen und sagen: Nein. Apple verdient (und parkt von den Milliarden Gewinn Unmengen außerhalb der USA, um keine US-Steuern bezahlen zu müssen). Bei Tesla sieht es so aus: http://fortune.com/2015/08/10/tesla-money-lost-model-s/ Pro verkauftem Wagen verlieren sie gar nicht mal soviel. Aber unterm Strich ist es brisant: “Tesla had just $1.15 billion on hand as of June 30, down from $2.67 billion a year earlier.” (Anmerkung: Ich weiß, dass die meisten das wissen, aber sicherheitshalber – amerikanische billions sind Milliarden). Warum Tesla pro Auto 4.000 Dollar Minus macht, wo sie bereits mehr als 80.000 für den Wagen verlangen, ist mir nicht klar. Preisgestaltung meets Psychologie?

    • Nein. Tesla investiert derzeit Milliarden in neue Fertigungsstätten. Insbesondere für Batterien.

  8. Was bei dieser Diskussion (vor allem um das Aple-Auto) gern übersehen wird, ist die FLUT an Gesetzen, die erfüllt werden müssen. Am leichtesten übersieht man dabei die PASSIVE SICHERHEIT. Wie sieht das Apple-Auto nach einem seitlichen Pfahlaufprall aus? Welche NIC-Werte bekommt meine Halswirbelsäule bei einem Heckaufprall ab? Wie viele Sterne im EURO-NCAP hat so ein Auto.
    Sollte das den Kunden vor lauter “Elektrogeilheit” plötzlich egal sein?
    Und dann stellt sich mir immer noch die Frage nach der “echten” Ökobilanz: Wie viel Umweltverschmutzung entsteht bei der Herstellung des Autos / des Akkus?
    Wie “politisch korrekt” erfolgt diese Herstellung?
    Wie Umweltverträglich erfolgt die Entsorgung des Akkus nach xxx Jahren?
    Hat das Apple wirklich alles im Griff????

    • Naja, wenn das alles so kompliziert ist, warum schlägt dann ein Unternehmen, das seit 2003 am
      Markt ist (Tesla) alle anderen in Crashtests und baut das “sicherste Auto der Welt”?

  9. Bravo für Ihren Beitrag. Es ist schon interessant, dass viele private Personen – wie hier Martin Ötting – viel Mühe aufwenden, um die echte Energiewende herbeizuschreiben. Danke im Namen der Gesellschaft.

    Bei kleiner Beitrag >
    http://www.schranz.com/2015/10/26/abschied-von-diesel-und-co-kann-das-de/

  10. Es sollte vielleicht noch nachgetragen werden, was hier in den USA neulich passiert ist: Consumer Report hat eine ursprünglich glänzende Bewertung des Tesla S zurückgezogen http://www.npr.org/2015/10/23/451213668/consumer-reports-pulls-tesla-model-s-recommendation “this car is more likely to have problems than the average vehicle. And that’s not a good thing.”

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