Crowdfunding Mario @Sixtus – und was man daraus lernen kann.

So, heute und am Freitag steht die Anzeige, die aus dem zornigen De:Bug / Carta Rant von Mario Sixtus entstanden ist, in Kontakter und Kress Report. Hier kurz meine Zusammenfassung dessen, was ich aus der Sache lernen konnte:

  • Ziel nie zu hoch stecken, lieber zu niedrig. Es war eine spontane Idee, die Anzeige “einfach” in die FAZ zu bringen. Und genauso spontan habe ich dann die Spendensumme auf schlanke 30.000 EUR festgelegt. Das Problem daran ist, dass eine solch hohe Spendensumme für die Spender doch eher abschreckend wirkt – wer spenden möchte und sieht, dass bisher vielleicht ein paar hundert EUR da sind, der lässt sich ja dann in seinem Enthusiasmus vielleicht durchaus bremsen. “Wie sollen wir denn da jemals auf 30.000 kommen?” Und zu recht – es war einfach unklug, das Ziel so hoch zu setzen. Man sollte das Spendenziel am Anfang lieber kleiner wählen und dann notfalls die Erwartungen übererfüllen. Das schafft Begeisterung. Aber nicht anders herum.
  • Die Community macht selbst recht wenig. Wer denkt, dass bei solch einer Aktion – mit der sich inhaltlich viele identifizieren können – dann auch viele aktiv mitwirken, der irrt. Das ist überhaupt keine Kritik an allen Spender und anderen im Netz, die sich über Marios Text gefreut haben! Jeder hat das gute Recht, genau das zu machen, was er/sie für richtig hält. Manch einer twittert den Link, ein anderer spendet 10 EUR, wieder ein anderer bloggt drüber. Und manche finden’s doof, dass dafür Geld ausgegeben werden soll. So soll es sein. Es ist eher eine Kritik an meiner eigenen Naivität und wichtig für eine realistische Einschätzung solcher Projekte. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass aktive Mitwirkung nicht von einer größeren Anzahl Leute kommt. Letzten Endes bleibt so ein Projekt immer an dem hängen, der damit angefangen hat. In diesem Fall war ich das – und das war für das Projekt nicht gut. Denn ich habe einen recht anstrengenden, zeitintensiven Job und war dazu im Januar auch noch dauerkrank. Deswegen hat sich das Projekt lange Zeit nicht voranbewegt. Vielleicht habe ich auch nicht genug um Hilfe gebeten – das kann auch sein. Zumal ich eigentlich gar nicht als Manager dieser Sache angetreten war, ich wollte das eher als lustige Sache initiieren und hatte diffus gehofft, dass es dann auch von anderen mitgetragen wird. Das war aber – bis auf eine wichtige Ausnahme (folgender Punkt in dieser Liste) – nicht der Fall.
  • Einzelne versetzen Berge. Eine Ausnahme vom letzten Punkt war Thomas Koch. Er hat sich sehr für das Projekt begeistert, und er brachte genau das mit, was gebraucht wurde: Insiderwissen und Kontakte in der Medienbranche. Er hat nicht nur unterschiedliche Deals verhandelt, er hat am Schluss auch noch die Agentur Kremer Kommunikation herangeholt, die die Anzeige gelayoutet hat. Er hat damit sicherlich deutlich mehr Mühe und Zeit in dieses Projekt investiert als ich, und dafür bin ich extrem dankbar. Die Sache wäre sonst bis heute nicht fertig und im Sand verlaufen, und ich hätte allen Spendern gegenüber ein maximal schlechtes Gewissen. Das Beispiel zeigt aber auch, welche magische Wirkung das Social Web haben kann: ich kannte Thomas Koch nur aus meiner Werberzeit, weil über ihn oder von ihm immer mal wieder in der Branchenpresse zu lesen war. Durch Twitter und dieses gemeinsame Interesse kamen wir zusammen und haben das Projekt gemeinsam fertig gemacht, dabei einmal kurz telefoniert und ansonsten viel über DMs bei Twitter und Mails ausgetauscht. Eine interessante Konstellation und eine interessante Erfahrung. Ganz ganz herzlichen Dank an Thomas, und bitte ihm emsig alle “followen“, das lohnt sich. :)
  • Momentum ist entscheidend. So ein Projekt macht nur richtig Spaß, wenn man es mit einem gewissen Schwung durchzieht. Aufgrund der beschriebenen Faktoren gelang das hier leider nicht. Die Lehre daraus ist, dass man jene Projekte, bei denen man die “Crowd” zum Mitmachen motivieren will, so plant, dass man selbst Zeit dafür findet. Die braucht man, die muss man investieren, sonst dümpelt die Sache dahin. Und das schadet der Motivation für das Projekt auf allen Seiten.

Das wäre meine Zusammenfassung dessen, was ich aus dem Projekt gelernt habe. Das PDF der Anzeige steht auf der Seite der IGEL, da gehört es auch hin. Vielen herzlichen Dank allen Spendern, und ganz besonders an Mario und an Thomas.

Kommentare

  1. Der Text ist gut (das ist nicht neu, man kannte ihn ja schon). Aber musste dieses Design im Stil einer GEZ-Broschüre von 1982 wirklich sein?

  2. @Frank Siehste – genau das ist es: die Sache musste irgendwann über die Bühne gehen. Und da sich niemand darum gerissen hat, sich um die Sache zu kümmern, gab es auch keinen Wettstreit der Ideen beim Design. Das ist ein Teil des oben beschriebenen Problems. Ich habe mich halt nicht ordentlich darum kümmern können – wenn ich nichts anderes zu tun gehabt hätte, dann hätte ich einen Designwettbewerb zu organisieren versucht … Hat leider nicht geklappt.

  3. Hast du eigentlich auch mal darüber nachgedacht, ob die Idee vielleicht einfach schwach war? Wieso den Verlagen 30.000 Euro in den Arsch schieben? Hab das nie verstanden.

  4. @Frank Um die nicht wirklich online-affinen Menschen zu erreichen, die der Verleger-Kampagne undifferenziert gegenüber stehen, ist es meiner Meinung nach schon sinnvoll, ein solchen Weg einzuschlagen. Ob Kontakter und Kress die richtigen Publikationen für dieses Vorhaben sind, steht auf einem anderen Blatt.

  5. @Frank Um die nicht wirklich online-affinen Menschen zu erreichen, die der Verleger-Kampagne undifferenziert gegenüber stehen, ist es meiner Meinung nach schon sinnvoll, ein solchen Weg einzuschlagen. Ob Kontakter und Kress die richtigen Publikationen für dieses Vorhaben sind, steht auf einem anderen Blatt.

  6. Martin,Danke für den Einsatz, den Du für die Umsetzung dieser Anzeige geleistet hast.Aber: Im einem Beitrag auf betterplace.org (http://de.betterplace.org/projects/5443-offener-brief-leistungsschutzrecht/bl… hattest Du geschrieben: “Der Rest, der noch bleibt (ein paar hundert EUR werden das sein) zahlen wir an die Agentur Kremer Kommunikation, die freundlicherweise das Layout der Anzeige gemacht hat.”Wenn das hier verlinkte PDF dem Layout der Anzeige entspricht und die Agentur dafür Geld bekommen hat, dann bereue ich meine Beteiligung an der Sache als Projektunterstützer zutiefst. Dafür ist die Leistung einfach inakzeptabel. Es sieht aus, als hätte der Volkshochschulkurs der “blinden Silver Layouter” in Kastrop-Rauxel das Design verbrochen. Ich würde mich schämen, für so etwas Geld zu verlangen oder meinen Namen damit verbunden zu sehen, Zeitknappheit hin oder her.

  7. Martin,Danke für den Einsatz, den Du für die Umsetzung dieser Anzeige geleistet hast.Aber: Im einem Beitrag auf betterplace.org (http://de.betterplace.org/projects/5443-offener-brief-leistungsschutzrecht/bl… hattest Du geschrieben: “Der Rest, der noch bleibt (ein paar hundert EUR werden das sein) zahlen wir an die Agentur Kremer Kommunikation, die freundlicherweise das Layout der Anzeige gemacht hat.”Wenn das hier verlinkte PDF dem Layout der Anzeige entspricht und die Agentur dafür Geld bekommen hat, dann bereue ich meine Beteiligung an der Sache als Projektunterstützer zutiefst. Dafür ist die Leistung einfach inakzeptabel. Es sieht aus, als hätte der Volkshochschulkurs der “blinden Silver Layouter” in Kastrop-Rauxel das Design verbrochen. Ich würde mich schämen, für so etwas Geld zu verlangen oder meinen Namen damit verbunden zu sehen, Zeitknappheit hin oder her.

  8. @Michael: Ja. Was soll ich dazu sagen. Dass sowas kommen würde, habe ich erwartet/befürchtet. Nur kam leider auf meine Einladung vor einigen Wochen, doch rumzufragen, wer sowas vielleicht layouten könnte, genau gar nichts. Der einzige, der einen Vorschlag gemacht hat, was Thomas, bzw. die Firma, die er kannte. Es gab jetzt zwei Möglichkeiten: entweder eine Kreativ- und Geschmacksdebatte entfachen, die ich niemals hätte managen und zuende führen können. Oder die Sache fertig machen. Wenn es aus Deiner Sicht ein Fehler war, die Sache so fertig zu machen, dann tut mir das leid. Ich sah keinen anderen Weg.

  9. @Martin Ich kenne das Dilemma und bin Dir auch nicht böse. Ich denke nur, dass bei so einem Projekt nur dann Gelder an Leute fließen sollten, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt, da sonst der Charakter der Spendenaktion leidet. Zudem sollten die Ergebnisse in einem gesunden Verhältnis zum Zahlung stehen.Ich möchte hier auch keine Geschmacksdebatte führen, da die Anzeige ja kein optische Knaller zu sein braucht. Allerdings ist die aktuelle Umsetzung wirklich in vielleicht einer Stunde inkl. Brainstorming mit einfacher Software auch für einen Nicht-Grafiker zu bewerkstelligen.Interessant wäre es von der Wirkung her geworden, wenn den offene Brief als Advertorial gestaltet worden wäre :)

  10. @Martin Ich kenne das Dilemma und bin Dir auch nicht böse. Ich denke nur, dass bei so einem Projekt nur dann Gelder an Leute fließen sollten, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt, da sonst der Charakter der Spendenaktion leidet. Zudem sollten die Ergebnisse in einem gesunden Verhältnis zum Zahlung stehen.Ich möchte hier auch keine Geschmacksdebatte führen, da die Anzeige ja kein optische Knaller zu sein braucht. Allerdings ist die aktuelle Umsetzung wirklich in vielleicht einer Stunde inkl. Brainstorming mit einfacher Software auch für einen Nicht-Grafiker zu bewerkstelligen.Interessant wäre es von der Wirkung her geworden, wenn den offene Brief als Advertorial gestaltet worden wäre :)

  11. Es hat also Insiderwissen und Kontakte in die Medienbranche gebraucht – und eine “Kommunikationsagentur”? Für ein solches Ergebnis? Sorry, dieser Beitrag trieft vor Selbstmitleid, aber gelernt hast du gar nichts.

  12. Danke für Deine interessanten Erfahrungen! Ich erlebe gerade Folgendes mit meinem Projekt: http://startnext.de/11a) der Prophet in der eigenen Community gilt nichts, denn er hat schon zu oft mit tollen Ideen genervt.b) die Fans und Follower aus California bis Pakistan können gar nicht Fan werden! Es fängt schon damit an, dass sie auf einem deutschsprachigem Portal direkt beim Einstieg verloren gehen …Na gut, noch alles ganz frisch, ruhig Blut, kleines Kätzchen.

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