Bedenkenträger beim WWF.

Im Juli hatte ich einen Austausch mit dem WWF-Deutschland-Twitter-Account. Es ging um das Ocean Clean-Up Project. Dafür habe ich mittlerweile eine dreistellige Summe gespendet, weil ich toll finde, dass da Leute mit Mühe und enorm viel Arbeit und Sorgfalt etwas tun wollen. Es begann mit diesem Tweet vom WWF:

Da ich “zum Heulen” als Kommentar des WWF zu dem Thema als alles andere als angemessen empfand (ich würde mir stattdessen einen Link zu einem Projekt des WWF gegen die Meeresverschmutzung durch Plastikmüll erwarten, welches ich direkt unterstützen kann, oder irgendeinen anderen konstruktiven Kommentar) — habe ich gefragt:

Daraus entspann sich ein Austausch (hier unterhalb des Tweets), der letztlich in der Konsequenz geendet hat: Das WWF ist skeptisch, ob das funktioniert. Und ein Experte von denen redet mit den Ocean Cleanup-Leuten.

Dankenswerter Weise hat das WWF dann einen Nachtrag geliefert, der am 18. August in Form dieses Tweets kam:

Erstmal ist sehr cool, dass die Leute beim WWF den Austausch nicht vergessen, sondern mir den Nachtrag per @reply geliefert haben. Im Umgang mit Twitter ist das absolut vorbildlich, finde ich. (Dass ich bis heute gebraucht habe, dazu nochmal was zu schreiben, liegt leider nur an meinem etwas irren Terminkalender in der letzten Zeit.)

Der Artikel selbst dagegen ist leider eine Enttäuschung. Herr Lutter wirft dem Ocean Cleanup-Projekt drei Dinge vor: Erstens, dass die Prognose zur Reinigung der Meere zu optimistisch sei; zweitens, dass das Projekt das Meeresplankton in Mitleidenschaft ziehe; und drittens, dass es das Problem nicht an der Wurzel packe, sondern letztlich der Plastikindustrie in die Hände spiele, denn wenn man die Meere so einfach reinigen könne, dann sei es ja auch nicht schlimm, weiter Unmengen an Plastikmüll zu produzieren.

Ich fange mal hinten an: das ist dermaßen unsinnig, dass ich nicht weiß, wie ich das angemessen kommentieren soll. Man stelle sich vor, man hat in der Küche die Kaffeekanne umgekippt. Überall Kaffee auf dem Fußboden. Was tun wir? Wir stellen die Kaffeekanne wieder aufrecht und ermahnen alle, die Kanne nicht wieder umzuwerfen. Aber den Kaffee auf dem Fußboden, den lassen wir, wo er ist?

Dass sich Leute mit solchen Sätzen überhaupt an die Öffentlichkeit trauen, ist erstaunlich.

Zur optimistischen Prognose: ja, das Ocean Cleanup Project machen zum Teil recht positive Annahmen. Andererseits erklären sie aber auch immer wieder, dass jeder Schritt, den sie gehen, letztlich ein weiterer Schritt hin zu größerer Klarheit über das Funktionieren und die Erfolgsaussichten des Projektes sind. Dass es sich letztlich um einen immer weiter auszuweitenden Großversuch handelt, um diesen Zivilisations-GAU irgendwie erfolgreich bekämpfen zu können. Ohne Garantien abzugeben. Insofern finde ich das in Bezug auf die Selbstdarstellung des Projektes alles andere als unpassend.

Was das Meeresplankton betrifft — dazu kann ich natürlich nur wenig sagen, als totaler Laie. Die Frage, die sich mir aber stellt: wenn die Folgen für die Gesundheit sämtlicher Fauna in den Weltmeeren durch den Plastikmüll so dermaßen in Gefahr ist (wie in dem Interview wiederum beschrieben), wäre dann ein begrenzter Eingriff in die Welt des Meeresplanktons in wenigen Metern an und unterhalb der Wasseroberfläche ein zulässiges Risiko, das man eingehen sollte, um insgesamt deutlich Linderung zu schaffen?

Die übrigen Gedanken im Artikel sind nachvollziehbar und für mich verständlich. Und ich finde prima, dass der WWF (offenbar) daran arbeitet, auf der Ebene der Gesetzgebung und im Umgang mit der Plastikindustrie Veränderung herbeiführen zu wollen. (Zumindest suggeriert das das Interview.) Aber in Bezug auf den Versuch, sich dem Problem der Reinigung der Weltmeere zu nähern, ist das ziemliche Bedenkenträgerei, meiner Meinung nach. Hier entsteht der Eindruck, dass das WWF die Sache deswegen “kritisch betrachtet”, weil sie sie selbst nicht erfunden haben (Not Invented Here-Syndrome). Und ich weiß bis heute nicht, für welche Maßnahmen des WWF ich spenden kann, wenn ich den WWF bei Initiativen gegen die Vermüllung der Weltmeere unterstützen möchte.

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