Anstatt Social-Media-Blödsinn zu machen lieber wichtige Dinge tun?

Gestern sind zwei auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Artikel durch meine Filter und in meinen Aufmerksamkeitsbereich gelangt. Beim MIT Technology Review kann man von einem der Wissenschaftler lesen, der als Data Cruncher mitgeholfen hat, die Obama-Kampagne zu organiseren. Florian Dost, einer unserer Forschungspartner, hatte ihn mir weitergeleitet, weil sich der Artikel letztlich darum dreht, wie digitale Mundpropaganda effektiver wirken kann.

Auf LinkedIn habe ich über Flipboard einen Artikel von Michael Lazerow gefunden (dort geteilt von Markus Roder), der von enormer persönlicher Frustration berichtet, nachdem er ein Interview mit Elon Musk gehört hatte. Lazerow beschreibt, wie Elon Musk bei einem All Things Digital Event über alle anderen Unternehmer — allesamt wahre Giganten — unfassbar weit hinausgeragt hat. Denn Musk sei der einzige in der Runde gewesen, der sich mit wahrhaft großen Träumen befasse, die wirklich die Menschheit änderten und große Probleme lösen könnten. Und die dazu einfach unfassbar ambitioniert und schlicht so tierisch geil seien, dass alle anderen dagegen nur wie harmlose Spielkinder aussähen. Als Konsequenz für Lazerow entstand daraus tiefer Selbstzweifel, den er in dem Artikel verarbeitet.

Auf den ersten Blick hatten beide Artikel wenig miteinander zu tun. Bis ich den ersten ganz bis zum Ende durchgelesen hatte. Denn auch dieser Artikel kommt schließlich zum selben Schluss: unter amerikanischen Tech Students und im Silicon Valley interessiert sich niemand für die wahren Probleme der Menschheit, die man mit Daten vielleicht lösen kann, sondern alle interessiere sich nur für Google oder Facebook:

But one thing stands in the way of this vision: a lack of data scientists interested in applying their skills to social problems. This summer, Ghani will be teaching at a fellowship program he developed for the University of Chicago, called Data Science for Social Good, that will put about 40 students to work on problems facing nonprofits and governments.

“A lot of the people who have the skills to do this kind of work end up working for Facebook, Google, or the latest online ad network,” he says. “[I want to] show them that the same kind of data is available here, and the impact is bigger.”

Zum einen scheint also die Frage im Raum zu stehen, ob die Tech-Szene sich von den Milliardenverkäufen und den Visionen des Webs blenden lässt und dabei die eigentlich wichtigen Themem ignoriert, die man mit diesem Wissen vielleicht eher bearbeiten sollte. Zum anderen erinnern mich diese Texte selbst wieder daran, dass wir mit trnd das Marketing besser und menschlicher machen und mehr auf die Käufer ausrichten wollen, so dass am Schluss bessere Produkte entstehen, die helfen Probleme in der Welt zu lösen, anstatt ständig neue zu schaffen. Der Weg dahin ist noch weit, aber wir dürfen das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Kommentare

  1. Aha.. und hätten sie die letzten zwei Sätze weggelassen, wäre das ein Artikel gewesen, der mal ausnahmsweise ohne “weltproblemlösendes” Eigenmarketing ausgekommen wäre.

  2. @Andre Grässe Das ist interessant. Ich wollte die letzten beiden Sätze eigentlich nicht schreiben, aber dachte dann, dass man mir selbst Heuchlerei vorwerfen könnte, wenn man meine Arbeit und in dem Zusammenhang diesen Text betrachtet. Darum wollte ich erwähnen, dass wir eigentlich auch einen größeren Plan verfolgen … Naja. Wie man’s macht, macht man’s falsch. ;)

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